Peter schrieb jetzt in seinem Kommentar: „Ist noch was von der Hippie-Zeit in der Stadt zu spüren?“ Hier meine Antwort:
Der „Summer of Love“, der immer als Höhepunkt der Hippie-Bewegung zitiert wird, war der Sommer 1967 in San Francisco. Und nicht Woodstock 1969. San Franciscos Summer of Love wird mit mehreren Events verbunden.
Monterey Pop Festival
Das Monterey Pop Festival, das etwas südlich von S.F. vom 16. - 18. Juli mit 200.000 Menschen stattfand, war sicher sein Höhepunkt. Jimi Hendrix, Otis Redding, Janis Joplin, The Who, Eric Burdon, Ravi Shankar u.a. traten auf. In San Francisco selbst gab es im Golden Gate Park ein Open-Air-Spektakel mit 25 Tausend Hippies. Die Leute hatten lange Haare. Sie haben sich ausgezogen, sind in die Park-Brunnen gesprungen, haben Musik gehört, Marihuana geraucht und sich nachts im Park geliebt. „Power of Love, but not Love of Power“.
Be sure to wear some flowers in your hair
Ein Lebensgefühl das Scott McKenzie, der Sänger von The Mamas and the Papas, mit seinem Song "San Francisco" ganz gut eingefangen hatte:
For those who come to San Francisco
Be sure to wear some flowers in your hair
If you come to San Francisco
You're gonna meet some gentle people there
In diesem Sommer 67 strömten Zehntausende von Jugendlichen aus ganz USA nach San Francisco. Es entstanden Kommunen, Wohngemeinschaften - vor allem im Stadtteil Haight Ashbury.
Janis Joplin ist ein unvergessenes Kind dieser Stadt. Sie schrieb sensible, gute Texte. Sie starb 1970 an einer Überdosis Heroin. Das hat mich damals sehr erschreckt.
Ich bin gestern durch Haight Ashbury geschlendert. Es gibt noch eine Art Hauptstraße, in der man Wasserpfeifen, Räucherstäbchen und alte Venyl-Schallplatten bekommt. Halbnackte Leute mit langen Haaren laufen hier nicht mehr herum. Aber Drogen werden hier nach wie vor konsumiert.
„On the Road“ (deutsch übersetzt in "Unterwegs") hieß Jack Kerouacs Kultroman. Ich hab ihn nicht gelesen, wie die meisten von uns damals nicht. Er und Allen Ginsberg waren die Wortführer der Beatniks in den 50-er Jahren.
Persönliche Erinnerungen an die 60er
Die Love-and-Peace-Generation, das war: Beat als Musikrichtung, anti-autoritäres Denken und Handeln, Protest gegen die Eltern, gegen die Lehrer, gegen die Profs. Das alles geht auf die 60-er Jahre in den USA und Europa zurück. Und diese Zeit hat uns heute Fünfzig- und Sechzig-Jährigen geprägt.
Die Musik der Rolling Stones und Beatles, der Kings, von The Who, von Grateful Death (die bekannteste Gruppe aus San Francisco) und Creadance Clearwater Revival war unter meinen Klassenkameraden im Königsteiner Taunus-Gymnasium extrem wichtig und präsent. Mein erstes Open-Air-Konzert mit Schlafsack auf dem Rasen hab ich 1971 im Düsseldorfer Rheinstadion erlebt: Led Zeppelin und Frank Zappa traten auf.
Wenn ich heute zurückdenke, hab ich diese Zeit damals eher wie durch Milchglas erlebt. Weil ich mich in großen Gruppen oder gar Menschenmassen, wie im Rheinstadion, sehr angespannt fühlte. Ich hielt mich bei so was sehr zurück und war froh, wenn ich wieder in gewohnter Umgebung oder allein war.
Haare wie Jimi Hendrix
Die Musik war wichtig für uns, wir haben sie allein und gemeinsam gehört. Mit Haschisch und Marihuana haben wir experimentiert, ich auch. Nicht viel, nicht oft. Meine Haare hab ich damals wie Jimi Hendrix getragen. Die waren mir sehr, sehr wichtig. Und mit meinem Vater diskutierte ich 1970 (den SDS gab es seit 68) endlos über historischen Materialismus und Kapitalismus-Kritik.
Mit sehr viel Gerechtigkeitsgefühl und Wut in meinem Bauch lieferten wir uns 5, 6-stündige Diskussionen über Obdachlosigkeit und Armut und über die wenigen Chancen von Arbeiterkindern. Ich arbeitete damals nach der Schule mit Monika und meinem einzigen Freund Karl in einer sozialistischen Schülerinitiative in Krefeld. Wir halfen obdachlosen Kindern bei den Hausaufgaben. Mit ein Grund, warum ich damals Pädagoge geworden bin und 13 Jahre mit Analphabeten gearbeitet habe.
District Haight Ashbury
Haight Ashbury ist inzwischen ein Stadtteil der gutverdienenden Mittelschicht. Es scheint immerhin nach wie vor viele Wohn- und Hausgemeinschaften zu geben. Manche der Leute von damals sind heute in sehr guten Jobs im Silicon Valley. Sie renovieren die Victorians teuer und leben etabliert in ihrem Stadtteil.
Andere praktizieren buddhistisches Gedankengut, leben New Age-Ideen. New Age als Sammelbegriff für Religiosität, Spiritualität, aber auch für eine ganze Strömung irrationaler Theorien und Lebensanschauungen. Ein Blick in die Fenster der Buchläden zeigt, dass solche gedanklichen „Ausläufer“ der Hippiebewegung hier eine Rolle spielen.
In San Francisco gibt es eine sehr lebendige Kulturszene: Theater, Malerei, Musik und Design. Die größte Tageszeitung ist aus einer Theaterzeitung hervorgegangen! Hier betätigen sich mit Sicherheit viele Alt-68er und Alt-Hippies.
Und die Frauen-, Schwulen- und Lesben-Bewegung hier in der Stadt sind Bewegungen, die u.a. aus der Jugend- und Gegenkultur der Hippies von damals hervorgegangen sind.
Esalen Arts Center in Big Sur
Am 04. Juli veranstaltet hier an der Küste in Big Sur das Esalen Arts Center das alljährliche International Arts Festival. Da werde ich hinfahren.
Gründer und Mitwirkende von Esalen Arts Center waren und sind: Joan Baez, Judy Collins, Arlo Guthrie(die ich alle verehrt und deren Lieder ich gesungen habe), Aldous Huxley (Brave New World), Joni Mitchel, Anselm Adams (s/w-Fotografie), Robert Rauschenberg, der seine PopArt auf der Kasseler Documenta von 1972 ausstellte und die ich als Abiturient gesehen habe. George Harrison, Ringo Starr, Ravi Shankar, Bruce Springsteen, Simon und Garfunkel, um nur die aufzuzählen, die ich kenne und schätze. Danke, Monika, für diesen Tipp mit Esalen! www.esalen.org.
![]() |
| Album: Haight Ashbury - 1967 Stadtteil der Hippies |


2 Kommentare:
Hallo Frank,
die Wandbilder gefallen mit mächtig, wunderbare Farbigkeit und Bewegtheit,da würde ich auch richtig in einen Fotografierrausch kommen! Erinnern mich an die Vitalität der Bilder von Frida Kahlo, halt latino- mittel-, südamerikanisch.
Gruß DORIS
Wandbild an einem Supermarkt in Ashbury: Jimi Hendrix, John Lennon und ?
Jim Morrsion, I am sure!
Kommentar veröffentlichen