Montag, 17. September 2007

Gemeinsame Zeit mit Robert in S.F.



Unsere Zeit vom 04. bis 15. Sept. 2007.
Hier erstmal die ca. 200 Bilder.
Lieben Gruß
Papa

Unsere gemeinsame Zeit in S.F.

Montag, 6. August 2007

Abschied und Blick zurück


Zum ersten Mal Abschied-Nehmen von dieser Stadt.

Wie oft fühlt sich Leben so voll an?
John hab ich vorhin gesagt: Ich hab mich in die Stadt verliebt. Ich hab auch ein paar tolle Menschen kennen gelernt, aber verliebt hab ich mich in die ganze Stadt. Da lacht er und sagt, es wäre ihm aufgefallen, mit welcher Sorgfalt ich mir die Stadt erarbeitet hätte.
Er hätte seinen Freunden davon erzählt und hätte dafür Hochachtung. Die Stadt sei tatsächlich außergewöhnlich schön. – Als er das sagte, hatte ich den Eindruck, dass er das selbst längst vergessen hatte.

Euch danke ich von Herzen for companionship auf der ersten Etappe. Es hat mir, wenn ich mich einsam gefühlt habe, immer geholfen, dass ich schreiben konnte. Das war mein Versuch, mich auf einer Single-Reise mit Euch zu vernetzen. Natürlich ist das dünner, muss dünner sein, als das, was ich den vergangenen zweieinhalb Jahre in Bremen durch Vernetzung neu erlebt habe. Danke dafür!
Meine Texte sind keine spontanen, schnellen Notizen. Ich arbeite an Texten, das macht mir Spaß. Und das soll in meiner beruflichen Zukunft demnächst noch mehr Platz einnehmen.

Die Hauptbotschaft der Beatniks der 50iger ist: „Versuche so zu leben, als wären es die fünf letzten Tage in Deinem Leben!“ So singt es Janis Joplin. Alle, die in Otto-Gruppen gearbeitet haben, haben sich damit auseinander gesetzt. Den beruflichen Alltag mit diesem Prinzip zu verknüpfen, ist mit Sicherheit nicht leicht. Aber es gibt immer Wege, die man für sein Leben individuell finden kann, um aus dem Hamsterrad auszubrechen und sich dabei „am Leben zu halten“.
Ich war früher in mir so zerrissen und voller Unruhe, dass ich meine Lebensumstände konstant halten musste. Seitdem dieser Riss am Zuwachsen ist, werde ich meine Lebensumstände mehr und mehr in Bewegung bringen. Das ist für mich die wichtigste Einsicht der vergangenen neun Wochen.

Nach vier Wochen Alleinsein – der Beginn der vierten Woche war schrecklich - meldete sich ein Gefühl, als würden in meinem inneren Haus die Wände weiß getüncht. Es hat sich ein Raum geöffnet, den ich in Zukunft selbst gestalten will! Wahrnehmungen, Gefühle, Erinnerungen, alles zeichnet sich klar wie ein scharfer Schatten ab. Ich weiß in den letzten vier Wochen genau, was ich am Tag tun will, was ich nicht will, was ich fühle. Und v.a. was ich in den nächsten Jahren noch möchte.

In diesem Zustand gab es auch ein paar „magische“ Augenblicke, ein paar Momente des Glücks, wo ich z.B. beim Essen saß und mich über den weißen Reis beugte und mir unwillkürlich Tränen aus den Augen quollen. Vor Freude, wie Leben auch sein kann, vor Traurigkeit, wie kurz es ist. Weil der Moment, der gerade eine Sekunde zuvor verstrichen war, so dicht und lebendig war. Oder ich so intensiv im Kontakt mit jemandem oder etwas war, dass sich die Spannung durch Tränen gelöst hat.

Zwei Träume hab ich mir erfüllt: mit dem Motorrad auf dem Highway One die kalifornische Küste nach Süden zu fahren. Und einmal im Ausland zu leben und jeden Tag Englisch zu sprechen und so zu lernen. - Dafür bin ich dankbar.
Der Moment, in dem sich ein Traum erfüllt, ist weniger spektakulär, als ich vorher geglaubt hatte. Aber die Erfahrung macht stark. Mehr und Neues zu träumen.

Eine gute Erfahrung ist auch, allein sein zu können, ohne innerlich immer ängstlicher und kleiner zu werden. Darüber hab ich mich mit Ute ausgetaucht, die das ähnlich erlebt hat. Als ich nach drei bis vier Wochen einen Tiefpunkt mit Schlaflosigkeit überwunden hatte, durch die Einsamkeit durch gegangen war, ging’s bergauf und die Gefühle und Gedanken wurden stärker und klarer.

Jetzt freu ich mich erstmal, wieder mehr unter Menschen zu kommen. Soviel Zeit und Bereitschaft zur Beziehung haben die Leute hier auch nicht über. Schon gar nicht für jemanden, von dem man nicht weiß, wie lange er im Land bleiben darf und ob er nochmal wieder kommt. Am 17. August hab ich mein „Interview“ in Frankfurt beim US-Konsulat und ich hoffe, dass ich am 1. September wieder einreisen kann. Ob ich die Einträge im Blog dann wieder aufnehme, hängt auch von Robert, Werner und Klaus ab, die mich im September und in der ersten Oktober-Woche besuchen wollen. Wir werden das besprechen. Kuckt einfach am 2. September mal rein. Oder ich schreib 'ne Mail. Bis dahin.

Euer Frank
Album: Erster Abschied

Samstag, 4. August 2007

Jimi Hendrix wäre heute 65


Samstagmorgen. Ich frühstücke und höre mit einem Ohr die Halb-Zehn-Uhr-News in dem kleinen TV, der auf dem Kühlschrank steht.

Ein Bericht über eine Sommer-Hunde-Schule in San Francisco.
Dann ein Studio-Gast, ein Professor für Musikwissenschaften an der University of San Francisco. Der Moderator unterbricht ihn immer wieder. Was sich die Leiterin der Hundeschule nicht hat gefallen lassen. Der Professor hat immerhin eine Biografie über Jimi Hendrix veröffentlicht.

Der Moderator sagt: Jimi Hendrix wäre dieses Jahr 65 Jahre alt geworden. Sie bieten im Herbst-Semester eine Klasse zu Jimi Hendrix an. Eine Klasse über Beethoven, das könnten wir alle sofort verstehen, vielleicht eine Klasse über Frank Sinatra, okay. Aber über Jimi Hendrix? Was macht ihn zum Thema für eine Klasse an der Universität?
Der etwas schüchterne Professor versucht auf die Spur, die der Moderator legt, herüberzuwechseln. Er sucht nach einem passenden Superlativ: Ja, das können wir ohne zu zögern sagen, Jimi Hendrix war der Größte auf der elektrischen Guitarre. – Und er relativiert: Zumindest für meine Ohren ist er der absolut Größte. Er war es – technisch gesehen – auf der E-Guitarre und der Akustik-Guitarre. Und er war es auch als Komponist. Das kann man in jedem Fall sagen: Sein psycholedischer Sound auf der E-Guitarre ist unerreicht geblieben. Der Moderator, selbst ein Endfünfziger, ist zufrieden: Was weiß man über seinen Tod mit 28? Da gibt es ja viele Theorien?

Der Professor jetzt weniger schüchtern, mit krauser Stirn, Betroffenheit zwischen den Augen: Jimi Hendrix nahm Drogen, seine Auftritte wurden irgendwann schlechter dadurch, das hat ihn deprimiert. Er brauchte in der Todesnacht Schlaftabletten, um überhaupt einschlafen zu können. Er ist an seinem Erbrochenen erstickt, infolge von Barbituraten in Verbindung mit sehr viel Alkohol. – Ein Moment Betroffenheit, eine Sekunde Schweigen – was hier im TV selten ist.
Die Daten für die Einschreibung für die Jimi Hendrix-Klasse am 9. September werden eingeblendet. Der Moderator gibt zurück ins Fox-News-Studio nach Los Angeles.

Die beiden Moderatoren dort verweilen einen Moment beim Thema. Sie hat graue, er weiße Haare. Sympathische Typen. Im Zwi-Gespräch über Jimi Hendrix sind sie sich absolut einig. Er war der Größte, auch wenn viele junge Leute seine Musik kaum noch kennen. Und vor allem seine Jazz-Stücke sind amazing, really amazing, sagt die niedliche Moderatorin, mein Alter. Beide sind für einen Augenblick sehr spürbar für mich. Wir drei sind uns einig.

In einem Forum im Internet schreibt die 18-jährige „Matschkopf-1“:

Ich bin wahrscheinlich nicht die einzige die das Wort
"psychodelisch" von Vegas nicht versteht.
Hier mal die Übersetzung:

psychodelisch: in einem (bes. durch Drogen hervorgerufenen)
euphorischen (in heiterer Gemütsverfassung),
tranceartigen Gemützustand befindlich.

Da fragt man sich doch woher Vegas solche Ausdrücke
kennt. ;-)
Naja, is ja auch egal.


Der Film: Jimi Hendrix - Live at Woodstock 69

Donnerstag, 2. August 2007

Cable Cars


Ich fahr mit den Dingern ja nicht. Erstens kostet die Fahrt in eine Richtung fünf Dollar. Die Untergrundbahn ein Dollar 50. Und zweitens fährt jeder Tourist damit! (Für fünf Dollar können es nur Touristen sein, das hält man sonst nicht durch!) Ich laufe also die Hügel lieber hoch und tue so, als wär ich kein Tourist :-)
Die Cable Cars sind das Erste, woran man denkt, wenn man von San Francisco spricht. Die Bilder von den steilen Straßen, den Trittbrettfahrern, die sich weit herauslehnen und den bunten Holzwagen kennt jeder, auch wenn er nie hier war. Man hat die Cable Cars 1946 versucht abzuschaffen: das löste einen Sturm der Entrüstung aus. Sie laufen seit 1873, was die Technik aber auch ihr Äußeres betrifft, unverändert.

Damals war die Erfindung für die Erschließung und Bebauung der Hügelkuppen wichtig. Vorher hat man versucht, Baumaterial und Menschen mit einer Pferde-Tram auf Nob Hill und Russian Hill hochzukarren. Aber bei Nässe kam es wohl immer wieder zu schrecklichen Unfällen,wobei die Wagen die steilen Hügelstraßen hinunterrutschten und die Pferde mitrissen.

Das Prinzip ist eigentlich simpel: Motorwinden in einem Maschinenzentrum auf Nob Hill (da darf man rein) halten Stahlseile in Kanälen unter der Straße in Dauerbewegung. Wenn der Gripman den Greiferhebel bedient, klammert sich der Greifer durch eine Rille in der Straße an das Stahlseil und zieht so den Wagen die Hügel hoch. Um anzuhalten lässt der Fahrer den Hebel los und betätigt die Handbremse.

Gripman werden meist Afro-Amerikaner, bullige Typen, die richtig Kraft in den Händen und Armen haben und schnelle Reflexe, um den Greiferhebel überhaupt bedienen zu können.

Für die Anlieger von Hyde Street, California Street, Mason Street produzieren die Stahlseile in den Kanälen unter der Straße eine permanente Geräuschkulisse. Wahrscheinlich hört man das Geräusch irgendwann nicht mehr. Richtig laut ist es in den Kurven, wo die Seile über Wellen laufen.

San Francisco ohne Cable Cars - unvorstellbar!
Album: Cable Cars

Waterfront


Da, wo die längste und breiteste Straße San Franciscos, Market Street endet, steht das Ferrie Building. Bei den Folgebränden des großen Erdbebens von 1906 haben Feuerwehrleute das Gebäude drei Tage lang mit Dauerbeschuss aus Wasserschläuchen vor den Flammen gerettet. Bis die Oakland - San Francisco Bay Bridge 1936 fertig gestellt war, fuhren täglich Zehntausende mit der Fähre auf die andere Seite der Bucht. Heute pendeln immer noch Berufstätige mit der Fußgänger-Fähre nach Oakland.

Abends, wenn der Nebel langsam von Westen, vom offenen Ozean über die Stadt zieht, joggen die berufstätigen jungen Leute hier vorne an der Waterfront. In der Mitte der langen Uferstraße Embarcadero liegt das Ferrie Building. Folgt man den Joggern in Richtung Westen, erreicht man irgendwann Pier 37, das ist Fishermen's Wharf. Von dort aus geht die Fähre nach Alcatraz. Im Januar 1990 hat sich hier auf ein paar Holzplanken eine Gemeinde von ca. 50 Seelöwen angesiedelt und ist - zur Freude der Touristen - geblieben.

Natürlich gibt's Stände, wo es wunderbar nach gebackenem Fisch riecht und nach Krabben, Langusten und Hummern. Touristen, die San Francisco in 3 Tagen absolvieren, halten sich am Fisherman's Wharf auf. Essen Krabben mit Mayonnaise, gehen ins Wachsfiguren-Kabinett und besuchen die kostenlose Ausstellung mit alten Spielautomaten. Wenn man diese Orte meidet, ist es an den Piers herrlich. Es gibt ein paar gute Restaurants, wo man abends gut sitzen und über die Bucht sehen kann.
Album: Waterfront - Embarcadero

Montag, 30. Juli 2007

de Young Museum


Das zweite Top-Museum in der Stadt – nach SFMoMa – ist das de Young. Es steht im Golden Gate Park und zeigt über 1000 Arbeiten US-amerikanischer Maler. Außerdem: indianische, mexikanische, aztekische, afrikanische und polynesische Kunst, die mich heute überhaupt nicht interessiert hat. Ich hatte die Amerikaner in europäischen Museen nie wahrgenommen. Weiß nicht, woran das liegt. Wahrscheinlich gibt es in Europa nicht viele Bilder. Hier ist alles, was in USA Rang und Namen hat, an einem Ort. Was ich überhaupt nie erlebt habe: man durfte drinnen fotografieren.

In naturalistischen Darstellungen aus dem späten 19., Anfang 20. Jahrhundert spiegelt sich amerikanische Geschichte. Fand ich spannend! Das ist bei uns genauso, aber man vergisst es. Ich hab vier Bilder fotografiert: eines vom Frühling in Kalifornien, eines von Indianern auf Bisonjagd, ein Häuptlings-Portrait und ein Gemälde mit dem Titel „Die letzten Momente des John Brown“. Amerikanische Geschichte. Wer kennt das Lied „John Brown’s Body“ nicht?! John Brown war weißer Militärangehöriger, der sich mit Gewaltaktionen gegen die Sklaverei in den Südstaaten gewandt hat und sechs Monate vor Beginn des amerikanischen Bürgerkriegs dafür gehängt wurde (gelernt bei Wikipedia).

Die modernen Bilder kommen von George O’Keeffe, Diego Rivera, Edward Hopper, Willem de Kooning, Wayne Thiebaud und vor allem hier in Kalifornien: von Richard Diebenkorn. Diebenkorn ist für die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg eine richtige Größe in Kalifornien! Malerei-Interessierten kann ich ihn nur auf das Schärfste empfehlen! Seine Bilder sind voller Licht und Sonne. Wie die Bilder der französischen Maler an der Côte d’Azur. An Matisse hat er sich tatsächlich orientiert.

Das Museum wurde beim Erdbeben von 1989 zerstört und jetzt von zwei Schweizer Architekten wirklich mutig wieder aufgebaut. Das de Young ist zur Zeit – zusammen mit dem unzweifelhaft scheußlichen Mariott-Hotel an der Market Street - das umstrittenste Gebäude San Franciscos. Mir gefällt es. Das Gebäude ist so schlicht, man verlässt es, und zurück bleibt nur die Erinnerung an einzelne Bilder. Ist das nicht der Zweck eines Museums? Beim SFMoMa denke ich hauptsächlich an das Gebäude, die Bilder hab ich bis auf eins längst vergessen.
Album: de Young Museum

Sonntag, 29. Juli 2007

Nachtleben auf Columbus Avenue


Ich bin schon öfters gefragt worden, welcher Platz in dieser Stadt mir am besten gefällt. Es ist Columbus Avenue und North Beach. Columbus Avenue ist leichtes Leben, italienisch Essen, gut gelaunte Menschen. Ich war öfters hier, nicht nur allein.
Wenn alles klar geht, werden wir uns auf Columbus Avenue herumtreiben, meine Sommergäste und ich.

Columbus Avenue ist die Pulsader von North Beach, dem Viertel der Italiener. North Beach reicht bis zu den Kais vorne, wo die Boote nach Alcatraz und Sausolito abfahren.

Erst kamen italienische Fischer (19. Jahrhundert), dann haben die Italiener Restaurants eröffnet. Die besten liegen links und rechts auf Columbus Avenue, viele mit Tischen und Stühlen draußen. In den 50iger und 60iger Jahren zogen die Beatniks in die Seitenstraßen, billige Wohnungen gab’s damals noch hier unten. Heute sollen die meisten Schriftsteller der Stadt hier wohnen. Kerouac, Ginsberg und Co. tranken ihren Kaffee im Vesuvio und holten sich Literatur im City Lights, einem Buchladen, den der italienische Dichter Lawrence Ferlinghetti damals aufgemacht hatte und noch heute führt. Hier findet man alles, von Bob Dylan bis Rosa Luxemburg.

Im City Lights hab ich heute Abend ein Büchlein mit Gedichten von Ferlinghetti gekauft. Eins davon hab ich für Euch abgetippt, es gefällt mir gut, soweit ich es verstehe. Ferlinghetti lebt in North Beach und sieht noch alle paar Tage im Laden nach dem Rechten.

In einer der Seitenstraßen beginnt die Rotlicht-Meile von San Francisco.

The Changing Light

The changing light at San Francisco
is none of your East Coast light
none of your
pearly light of Paris.
The light of San Francisco
is a sea light
an island light.
And the light of fog
blanketing the hills
drifting in at night
through the Golden Gate
to lie on the city at dawn.
And then the halcyon late mornings
after the fog burns off
and the sun paints white houses
with the sea of light of Greece
with sharp clean shadows
making the town look like
it had just been painted.
But the wind comes up at four o’clock
sweeping the hills.
And then the veil of light of early evening.
And then another scrim
when the new night fog
floats in.
And in that veil of light
the city drifts
anchorless upon the ocean.

Album: Columbus Avenue

Freitag, 27. Juli 2007

Ben Billmann ist geboren!!!!


Das Blumenbild ist für die Eltern von Ben, Christine und Hajo in Bielefeld! Herzlichen Glückwunsch!! (Hoffe, das Pink geht durch, wo Castro so nah ist?)

Für alle, die demnächst eine USA-Reise vorhaben, hab ich die Visa-Bestimmungen zusammengefasst (ich war heute nur im Netz, weil ich hier völlig am Rad drehe!!):

Der Spirallo-Reiseführer im Falk Verlag „Kalifornien“ stellt nur fest: kein Visum nötig.

Der San Francisco-Führer von Dorling Kindersley von 2007 ist etwas ausführlicher:
Deutsche, Österreicher und Schweizer nehmen am Permanent Visa Waiver Programm der USA teil, d.h. sie dürfen als Urlauber oder Geschäftsleute im Regelfall bis zu einer Dauer von 90 Tagen ohne Visum einreisen.

Mit der Info aus dem zweiten Führer bin ich in ein USA-Spezial-Reisebüro in Bremen gegangen. Dort bekam ich die Auskunft: dann müssen Sie bald nach Einreise auf die Immigranten-Behörde gehen und müssen dort die Erweiterung Ihres Aufenthalts über 90 Tage beantragen. Das machen Sie dort.

Auf der Website des US Konsulats in Frankfurt und auf der vom Auswärtigen Amt Berlin steht folgendes:

• USA-Reisende brauchen einen Reisepass und ein Rückflug-Ticket. Wenn der Pass nach dem 10. Okt. 2006 augestellt ist, muss er biometrische Daten enthalten (spezielles Foto!). Soweit, so gut!
• Mit einem Pass darf man ohne Visum bis zu 90 Tagen einreisen. Man nimmt am Visa-Waiver-Programm teil. Der Waiver ist im Land nicht verlängerbar! - Ha!
• Durch kurzfristiges Ein- und Ausreisen nach Mexiko, Canada oder in die Karibik kann der Aufenthalt mit einem Waiver nicht verlängert werden.
• Eine gesetzliche Regelung, wie oft und innerhalb welcher Zeiträume das Waiver-Verfahren genutzt werden kann, besteht nicht. Sofern jedoch nur kurze Abstände zwischen den USA-Aufenthalten liegen, sollte sofort ein Visum beantragt werden.
• Als Visum für 3 – 6 Monate kommt das B-2-Touristen-Visum oder das B-1-Business-Visum in Frage. Es wird beim US-Konsulat in München, Berlin oder Ffm beantragt und ist mit einem persönlichen Interview und 7 – 10 Werktagen Wartezeit verbunden. Der Zweck des Aufenthalts muss dargelegt und begründet werden. Eine verwandtschaftliche und finanziell-arbeitsmäßige Bindung an Deutschland muss nachgewiesen werden. Gleichzeitig müssen Geldmittel für die Dauer des Aufenthalts in den USA nachgewiesen werden.
• Das B-1-Visum für Business berechtigt zu Markt-Recherchen, Messe- und Kongress-Besuchen oder Geschäftsterminen mit Partnern in den USA. Nicht zum Arbeiten für einen US-Arbeitgeber!
• Das B-2-Visum für Touristen erlaubt in keinem Fall das Jobben oder Arbeiten in USA, auch keine Freiwilligen-Tätigkeiten.
• Das H1-B-Visum berechtigt zum Arbeiten in den USA. Ein US-Arbeitgeber stellt den Antrag und muss nachweisen, dass er keinen amerikanischen Bewerber findet.
Bis zu 6 Jahren Aufenthalt möglich. Häufig in IT-Firmen für Programmierer angewandt, als Vorstufe für die Greencard (dauerhafte Einwanderung).
• Das I-Visa for the Media Professionals berechtigt Journalisten und Medienschaffende, auch Freelancer, zu 12 Monaten Aufenthalt und Recherchen, sofern nicht für einen US-Arbeitgeber gearbeitet wird, jedoch für eine deutsche Medien-Firma oder –Anstalt.

Alles andere sind Visa für junge Leute, Au-Pair-Mädchen, Trainees, Studenten, Austausch-Schüler. Oder für Top-Manager, Stars, namhafte Künstler, Wissenschaftler.

Ich versuche entweder einen zweiten Visa-Waiver oder ein B-2-Visum zu bekommen.

Donnerstag, 26. Juli 2007

Wegen Visum im August nach Deutschland zurück


Ich war auf der Immigranten-Behörde, um meinen Visa-Waiver zu erweitern. Erfahre, dass ein Waiver nicht über 90 Tage erweiterbar ist. Das ist mein zweiter Tiefpunkt in dieser schönen Stadt! Fühle mich bescheuert, da kann ich noch soviel auf das USA-Reisebüro in Bremen schieben. Rechtsanwalt von Klaus sagt: Kaufmann muss Beratung prüfen. Paff!
Fliege am 7./8. August zurück und Ende August wieder her.
Hab mir bewusst heute einen Downtown-Tag gegönnt, mit Sonne und Essen gehen und Kaffeetrinken. So war mein Tag - viele gemischte Gefühle:

6:23 Blick auf den Wecker
6:32 Fahre Notebook hoch, noch keine Antwort vom American Dream Team aus Berlin
7:05 Frau Gessner (Berlin) am Apparat. Ab 19. Aug. gibt es beim Konsulat in Ffm Interview-Termine. Sie macht für mich einen. Für ein B-2-Visum (6 Monate).
7:15 John steht im Nachthemd hinter mir, grimmig. Ich solle nie mehr nach D. telefonieren!
7:30 Beantworte 7 Mails und schreibe eine Rechnung über 3.000 EUR nach Graz.
10:30 Sitze im Muni-Train Richtung Downtown.
11:30 Checke das Hi-Hostel in der City und reserviere Bett in Vierer-Zimmer für Robert.
11:50 Vor-Ort-Termin in einem düsteren Hotel in Hyde Street. B-Movie 20-er Jahre!
12:10 Termin im Harcourt-Hotel, für Werner, Larkin Street, zentral, reserviere vor.
12:25 Klaus ruft an, hat mit Anwalt gesprochen, berät mich. Toll!
12:35 Die Sonne! Laufe California Street abwärts, setze mich in Grace Cathedral. Spüre, wie gut mir tut, dass ich mich auf Klaus verlassen konnte.
13:40 Wieder Mal blauer Himmel hier unten. Laufe Sacramento Street runter.
13:45 Finde den China-Imbiss im Financial District, esse Chicken süß-sauer. Schlafe ein.
14:45 Wache auf, verlasse das leere Lokal. Halte nach 200 m an der Ecke Montgomery an.
15:00 Sitze unter Arkaden in einer Straßenschlucht, trinke starken Kaffee.
Lese, träume, lese… in meinem Roman …
„In hospital I brought back some memory: not of conversations we had had, but of moments we had shared in silence.” Er erinnert sich an seine Frau, die ihn verlassen hat. - An einem grauen Nachmittag in Wien, auf der Rückfahrt von Schloss Schönbrunn hast Du Deinen Kopf an meine Schulter gelehnt und hast lange geschlafen. - Was ist nur mit uns? Bin traurig.
16:00 Beobachte die in Grüppchen Vorbeilaufenden. Wahrscheinlich Angestellte aus den Bürotürmen in Montgomery und Sutter. Ich würde hier mit jedem zweiten Krawattenträger ein Bier trinken gehen. Freundliche und offene Gesichter, glaubt mir sicher keiner! San Francisco ist anders als Frankfurt. Anders als der Rest von Amerika. Immer wieder: eine Traumstadt!
18:47 Höre im Subway einem farbigen Saxophon-Spieler zu und werfe einen Dollar in
seinen Instrumenten-Koffer.
Album: Gemischtes am 26. Juli

Dienstag, 24. Juli 2007

Thema #1: Social-networking


Was 1939 mit William Hewlett und seinem Studienfreund David Packard in einer Garage ihrer Eltern begann, ist heute Sillicon Valley. Spin-offs der Standford University in dem netten Örtchen Palo Alto im Süden der Bay-Area sind heute Unternehmen, die die Welt gerade tüchtig verändern. Google, Yahoo, AOL, Apple, Microsoft sitzen 30 - 60 Minuten südlich von San Francisco in einem netten Tal um San Jose und Palo Alto.

Andrea hatte zu www.craigslist.org gepostet: der typ (Craig Newmark) ist unglaublich und der erfolg mit seinem projekt ist irgendwie auch eine 'typisch amerikanische story'... Hier nochmal der Link:
http://www.dld-conference.com/2006/11/craig_newmark.html.

Heute steht die Erfolgsstory von Catherine Cook(17) und ihrem Bruder David(18) aus San Francisco im Chronicle. Catherine geht noch aufs College. Mit 15 hat sie angefangen, von zuhause aus eine social-networking-site namens MyYearbook für Teenager aufzubauen http://www.myyearbook.com. In MyYearbook kann man sich mit Bild auf einer eigenen Seite darstellen, an Privat-Video-Ausscheidungen teilnehmen, mit anderen konkurrieren um den Titel „best-dressed person“ usw. Eine Art BRAVO, wie wir sie kannten – nur von den Mitgliedern selbst gemacht, mit sehr viel Kommunikation.

Die ersten Seiten hat ihr Bruder programmiert. Sie haben T-Shirts bedruckt mit MyYearbook, in den ersten zwei Wochen kamen 200 Mitschüler von der Highschool auf die Seite. Dann hat der ältere Bruder Geoff(28), auch im Internet-Geschäft, die ersten 250.000 Dollar investiert. Damit haben Catherine und David Programmierer in Indien beauftragt. Sind abends länger aufgeblieben und haben ihre Papier-Entwürfe nach Indien gefaxt. Im Juni 2007, zwei Jahre später, hat Catherine 3.3 Millionen Besucher auf ihrer Site gehabt. Das sind die Erfolgsgeschichten, von denen Andrea spricht!

80% der 18 bis 21-jährigen Amerikaner und Europäer sind Mitglieder von social-networking-sites. Längst gibt es solche networking-Sites auch für Ältere.

Ich bekam gestern in der virtuellen Welt von XING, wo ich Mitglied bin, von meiner 22-jährigen Nichte Ellen (werdende Hotel-Kauffrau) folgende E-Mail: Hi Frank, wusste gar nicht, dass Du auch hier bist. Ist ja nett, wie geht’s dir so in USA? Komme ja auch bald rüber. Liebe Grüße….
Mein PC fragt dann: Ellen Drecoll möchte Sie als ihren Kontakt hinzufügen. - Bestätigen?

Ich überlege kurz: Die Tochter meiner Schwester will mich als ihren Businesskontakt zu ihren Kontakten hinzufügen. Worauf kann das hinauslaufen? Hat das schwerwiegende, irreversible Konsequenzen für unsere Beziehung Onkel - Nichte, Nichte - Onkel? Ich beschließe, die Sache entspannt zu sehen. Immerhin, je mehr Kontakte sie kriegt, umso höher ist ihr sozialer Aktivitätsindex(in %) auf ihrer XING-Page!

Ich klicke also auf JA. Ist ja so leicht. Die Familie ist jetzt endlich auch virtuell vernetzt :-)

Sonntag, 22. Juli 2007

Filmnacht in Dolores Park


Unter sternenklarem Himmel in Dolores Park hab ich heut Nacht mit bestimmt 3000 Leuten den Kultfilm Sixteen Candles gesehen.

Nach 9 p.m. war die Sonne endlich untergegangen und die Filmnacht konnte starten.
Fünf junge Männer, eine junge Frau und ein Hund kreuzten hinter mir auf. Breiteten Decken aus und luden mich ein, mich mit draufzusetzen. Wir waren schnell im Gespräch. Als es bei Sonnenuntergang kühl wurde, lehnten sich die vier Jungs eng aneinander. Das Mädel duckelte sich von hinten an die Jungs an und schien zu genießen, dass sie von keinem als Frau beachtet wurde. Der Hund legte sich glücklicherweise zu mir, und wir beide wärmten uns.

Sixteen Candles muss 1984 ein Riesenerfolg gewesen sein. Als sogen. coming-of-age-Film, in dem drei junge Leute unter Leiden erwachsen werden, fing er die Jugendkultur der Achtziger ein. Ein frecher, witziger Film, konnte gut ablachen.
Album: Filmnacht im Dolores Park

Mittwoch, 18. Juli 2007

SFMoMa - Museum of Modern Art


Hingegangen war ich, um mir eine Ausstellung von Matisse anzusehen. Und hängen geblieben bin ich an den amerikanischen (abstrakten) Expressionisten Jackson Pollock, Joan Mitchell und den Pop Art Leuten, die ich ja 1972 auf der Documenta in Kassel alle gesehen hatte: Andy Warhol, Robert Rauschenberg, Jasper Jones.

Und die Schwarz-Weiß-Fotografie, amerikanische, europäische, japanische, deutsche, ist ein dickes Kapitel im SFMoMa! Mir selbst macht das Fotografieren immer mehr Spaß.

In den Ausstellungsräumen ist Fotografieren ja verboten. Also hab ich mich auf das Gebäude, innen und außen, gestürzt. Ein Kunstwerk für sich, fand ich.

Hier die Website des SFMoMa: http://www.sfmoma.com/
Album: SFMoMa

Montag, 16. Juli 2007

Leichtes Marihuana okay


Seit Freitag hüte ich das Zimmer und kuriere eine Bronchitis mit Antibiotika aus.
Die ganze letzte Woche schon arbeite ich an meinen Aufträgen, gestern hab ich den zweiten weggeschickt, Kohle muss ja weiter eingefahren werden…

Robert und Werner kommen im September, nacheinander. Und Klaus kommt für ca. 10 Tage im Oktober. Das werden völlig andere Zeiten hier! Heut Abend, mit Tabletten im Kopp, schreib ich da jetzt nix Großes zu. Ich weiß aber eins, ich hab mich wahnsinnig gefreut, als Ihr Jungs alle drei zugesagt habt zu kommen! Wir werden hier ne superschöne Zeit haben!!

Heut hab ich schon mal nach einer Wohnung mit zwei Schlafzimmern für den September gekuckt. Wohnungs- und Zimmer-Vermietung innerhalb der Stadt läuft v.a. online, über die Craigslist: www.craigslist.org.

In der Rubrik sublet – temporary (vorübergehende Unvermietung) annoncieren Studenten und Wohnungsbesitzer, die den Sommer über die Stadt in Richtung Europa oder Osten der Vereinigten Staaten verlassen – z.B. weil es ihnen hier zu kühl ist.

In craigslist zu lesen ist Unterhaltung pur!
Da gibt es die cat-sitter. Die bekommen das Zimmer zum halben Preis. Und müssen dafür die immer irgendwie schwierige Katze bei Laune halten.

Ausgesprochen differenziert wird das Thema Drogen und Party verhandelt.
Da heißt es z.B.: no drugs please – light pot okay. Was soviel bedeutet wie: leichtes Marihuana ist bei den andern Hausgewohnern gern gesehen und gehört sogar zum guten Ton.
Hardliner weisen sich so aus: no drugs – no parties!!! Die softere Variante ist schlimmer: Party ist okay, sehr sogar, wir lieben selbst auch Parties – aber bitte nicht in unserm Haus und nicht nachts.
Ein großes Thema v.a. in Mission und Castro, wo die netten Leute wohnen, nennt sich „Drama“: We are looking for a drama free person.

Ich zahle $ 800, also etwas mehr als 600 EUR für 10 qm mit Bad. Hier ein paar Links mit teureren accomodations:

Union Square, 1 Schlafzimmer, 1450 Dollar
http://sfbay.craigslist.org/sfc/sub/372375363.html

Noe Valley, 1 Schlafzimmer, Wohnzimmer, Küche, Bad, 2000 Dollar
http://sfbay.craigslist.org/sfc/sub/372645319.html

Suite im Financial District, 2800 Dollar
http://sfbay.craigslist.org/sfc/sub/372956439.html

Nob Hill, Appartment, 1 Schlafzimmer, 5000 Dollar
http://sfbay.craigslist.org/sfc/sub/372567336.html

Nob Hill, View Tower, 2 Schlafzimmer, Wohnzimmer, 7200 Dollar
http://sfbay.craigslist.org/sfc/sub/372559417.html

Freitag, 13. Juli 2007

Wirklich amerikanisch


Hier meine Liste der 10 amerikanischsten Dinge:

1. Ohne ein ‚How are you doing? – Thanks, fine, and how are you?’ geht nichts! Deutsche Ansagen wie „Good morning, I want to pay the gas.” oder ähnliches stoßen auf basses Erstaunen. Im Englischen heißt das: to make rapport. In Beziehung treten.

2. Wer sich am Tresen ein schnelles Bier bestellt und die 2 Dollar 50 sauber abgezählt auf den Schanktisch legt, braucht sich nicht wieder blicken zu lassen: mind. 15% Tipp sind fällig, da sogar Barkeeper i.d.R. kein Gehalt bekommen.

3. Wer Tabletten braucht und in die Apotheke geht, muss sich vorher mit allen Stammdaten schriftlich registrieren lassen. Bearbeitung: 15 Minuten.

4. Etwa 10 bis 20% eines Arzthonorars zahlt man selbst – vorausgesetzt, man ist überhaupt versichert. Menschen ohne Versicherung gehen in Armenhospitäler, wo bis zu 10 Stunden Wartezeit anfallen und auf dem Flur geschlafen wird.

5. Bei MacDonalds gibt es ein festes One-Dollar-Menü: Cheeseburger für $1.09 und Small Fries(Pommes) für $1.09. Das ist mein Notfall-Essen :-)

6. Change ist das begehrteste Gut in der Stadt. Niemand gibt Geld raus. Ohne Quarters kann man nicht Bus oder U-Bahn fahren, nicht telefonieren, nicht Schwimmen gehen, nicht aufs Clo.

7. Einen Bagel oder ein Bier mit Kreditkarte zu bezahlen, ist üblich. Alles läuft über Credit-Card.

8. Im Supermarkt an der Kasse wird der komplette Einkauf vom Kassierer verpackt. Vorausgesetzt, Du hast das Spiel ‚How are you doing today? Oh fine!! – And how are you?’ mitgespielt. Sonst kannst Du Deinen Scheiß selbst einpacken.

9. Ich hab seit meiner schweren Kindheit :-) nicht mehr so viel freundlich gelacht wie hier! Ein absolutes Muss! Die härtesten Mutterschänder, Hells Angel-Mitglieder, Anwälte oder Businessleute lächeln erst breit, werden dann ernst - und sprechen. Keine Chance für Männer aus Männergruppen, die beschlossen haben, nie mehr zu lächeln. Also Jungs!

10. Mein Empfinden ist: Mut wird hier belohnt! Zwei Beispiele: Jemand, der sich schnell zeigt, offen ist, trifft auf freundliche und offene Gesichter. Jemand, der etwas auf der Straße vorführt, findet immer interessiertes Publikum. Gefällt mir.

Mittwoch, 11. Juli 2007

Erfahrung


Heute Nacht habe ich Jean Warmbolds Nahost-Thriller „Der arabische Freund“ zu Ende gelesen. Das spannend geschriebene Buch ist für mich aus ganz anderem Grund ein Leseerlebnis. Ich hab Jean inzwischen etwas kennen gelernt. Für mich hat sie viel von ihrer Protagonistin, der Journalistin Sarah Calloway aus San Francisco, die nach Paris kommt, um über die Zweihundertjahrfeier der französischen Revolution zu berichten, die Tagebücher der Isabelle Eberhardt auf einer Auktion zu ersteigern. Und die dann immer tiefer in das mörderische Gewirr von Geheimdiensten und Terrorgruppen hineingezogen wird.

„Ich habe angefangen, das Eberhardt-Tagebuch zu lesen“, hörte ich mich schließlich sagen, um die Stille zu durchbrechen. „Es ist … also, ich find’s wunderschön.“ (…)
„Wie erklären Sie sich aber die ganzen Widersprüche in ihrem Leben?“, fragte ich, als der Tisch abgeräumt war und unser Espresso kam.
„Welche Widersprüche meinen Sie?“
„Die Trinkerei. Das Kifrauchen. Der Gelegenheitssex. Wie passt das alles zu ihrer mystischen Seite?“
„Sagen Sie mir eins, Mademoiselle“, meinte er und fuhr mit dem Finger sanft am Rand seiner Tasse entlang. „Wer ist berechtigt, uns zu sagen, wo man Gott finden kann und wo nicht?“

„Es gibt eine Sufigeschichte über einen Wahrheitssuchenden, der den Großen Berg besteigt, um den weisen Mann zu befragen. ‚Oh weiser Mann’, fragt er, als er dem Seher gegenübersteht, ‚was ist das Geheimnis des Lebens?’ – ‚Gutes Urteilsvermögen!’ antwortet der Weise prompt. ‚Aber sage mir, oh weiser Mann, fragt der Wahrheitssucher, ‚wie erlangt man ein gutes Urteilsvermögen?’ – ‚Durch Erfahrung!’ antwortet der Weise. ‚Dann sage mir, oh weiser Mann’, fragt der Wahrheitssuchende, ‚wie erlangt man diese Erfahrung?’ – ‚Durch schlechtes Urteilsvermögen!’ erwidert der Weise.

Bitte! Wir müssen doch zugeben, dass Isabelle bei all ihrem ‚schlechten Urteilsvermögen’, das sie in ihrem kurzen und abenteuerlichen Leben gezeigt haben mag, trotzdem niemals vor Erfahrungen zurückschreckte. Und um nichts anderes als Erfahrung geht es ja auch in unserem Leben. Darin würden Sie mir doch zustimmen, nicht wahr?“
„ Ich denke schon … ja.“
„Das hatte ich mir gedacht“, bemerkte er und betrachtete mich amüsiert, während er mit der Gabel Linien auf der Tischdecke nachzog. „Ich betrachte Sie als einen Menschen, der sich nach Erfahrungen sehnt, wenn ich dieses Wort benutzen darf. Ein Mensch, der hinter jeder Ecke eine neue Begegnung, ein neues Abenteuer, eine neue Affäre sucht. Stimmt das?“

Ich antwortete ihm nicht sofort. War ich denn wirklich so leicht durchschaubar?
(Aus: J. Warmbold: Der arabische Freund, Ffm: Eichborn, 1992, S. 40 - 43)

Dienstag, 10. Juli 2007

Takes my breath away


Tuck and Patti ist meine musikalische Entdeckung hier, die ich gern weitergebe.
Sie waren die letzten, die in Esalen abends gespielt haben, bei Sonnenuntergang.
„Takes My Breath Away“ mag ich ganz besonders.

Hier sind die 12 schönsten Lieder mit Hörproben bei Amazon.com.

The Best of Tuck and Patti (1998)

http://www.amazon.com/gp/recsradio/radio/B000000NKH/104-1051161-3337545?volume=9

Love is the key
Take it from me
Show your love

Love is the key
You've got to believe
Show your love

Love is the key
Listen to me
You got to show your love

Album: Tuck and Patti

Montag, 9. Juli 2007

Hypothesen testen - und dabei Englisch lernen


Man sagt immer: Wenn du die Sprache richtig lernen willst, dann geh' für eine Zeit ins Land und leb' da.

Stimmt! Kann ich bestätigen.
Und zwar geht das so...

John klopft und ruft: Fränk!
Ich: What?
John: Fränk, your food gets spoilt, you should get it in the fridge. I won't sit with you in the hospital and hold your hand.

Das Sprachzentrum meines Gehirns beginnt fieberhaft John's Wörter zu scannen. Alles bekannt, mit Ausnahme von spoilt! Was verdammt ist spoilt? - Großhirn beginnt Hypothesen zu bilden: Was könnte John meinen mit food and hospital? - Aha!! Essen machen Magen krank! Spoilt bedeutet dann sowas wie: vergammelt, schlecht geworden, umgekippt, verdorben, sauer, faulig, am möpseln. Irgendwas davon.

Ich schlage mein Dictionary auf und teste meine Hypothese. Tatsächlich! To spoil = schlecht werden, verderben.

Samstag, 7. Juli 2007

Was ich am Motorrad-Fahren so liebe…



Es ist kurz vor Mitternacht und ich surfe seit Stunden durch Reiseblogs, in denen Männer von ihren Motorradtraumreisen berichten. Zwei amerikanische Brüder schreiben nach einem Trip mit BMWs: „It was truly the ride of a lifetime. We wish every man in America could have a week like the one we had, so they can feel how it feels to be truly living life.” - Das finde ich sehr romantisch.

Das ist Männerromantik vom wilden und unabhängigen Leben. Von einem langen Ritt. Und es stimmt: Motorräder haben etwas von Pferden. Man muss sich mit ihnen einig sein, sonst geht garnichts.

Was geht mir eigentlich beim Motorradfahren so unter die Haut?

Meinen ersten Tagebucheintrag hab ich auf Kreta 1997 dazu geschrieben. Das weiß ich, ohne nachzusehen. Ich fuhr ohne Führerschein, ohne Helm und Handschuhe. Und ich war süchtig nach dem Gefühl, mit der kleinen Suzuki 250 - oder was das auch immer war - die steile Straße hinter Plakias hoch zu gehen. Das war ein so unbeschreiblich schönes Gefühl! Die Straße hatte ich mich einen Tag vorher zu Fuß hochgequält. Und sie ist wirklich steil, mit sehr engen und steilen Innenkurven. - Ich kriegte nicht genug und fuhr immer wieder runter, um nochmal hochzufahren. Ein Kraftgefühl: gut festhalten, rechts Handgas aufziehen, Schenkeldruck, um drauf sitzen zu bleiben. Körpergefühl und Geschicklichkeit. Herrlich!

Hochfahren ist schöner als runterfahren. Das geht mir heute noch so. Auf dem Rückweg von Monterey nach San Francisco bin ich durch die Santa Cruz Mountains gefahren. Wolfgang Taft hatte mir auf der Karte eine extrem kurvige Schleife durch die Redwoods markiert. Zehn Minuten den Berg hoch und zehn Minuten wieder runter. Eine feste saubere Asphaltdecke ohne Sand. Kurve an Kurve. Und die Fahrbahn so schräg, dass ich mich richtig zur Seite legen, das Innenknie von der Maschine weghalten und damit navigieren konnte.

Ich liebe den Augenblick, wenn ich aus einer Rechtskurve mit voller Schräglage in eine Linkskurve wechsle und die Schräglage tausche. Das ist wunderbar! Die BMW, die ich hatte, ist so schwer, dass ich sie bei ausgestelltem Motor am Hang nicht halten kann. Auch wenn ich mich mit meinem Zwei-Zentner-Körper dagegen stemme. Doch aus der Bewegung heraus bergauf wird die Maschine leicht wie eine Feder. Mit dem Schub aus der Rechtskurve wirfst Du die Maschine nach links...

Vom Schwingen auf der Skipiste kenne ich ein ähnliches Gefühl. Und die Gefahr liegt da, wo ich immer ein bisschen über meine Grenze gehen möchte. Klar, dass ich nicht den Bruchteil einer Sekunden chillen darf. Sonst hänge ich eine Sekunde später irgendwo im Wald, um einen Baum gewickelt. Das Adrenalin steigt mit der Gefahr.

Und da sind wir bei einem weiteren Punkt, den Motorradfahren für mich ausmacht: es macht mich entweder 100% lebendig und wach, oder ich stelle den Motor besser wieder ab. Motorradfahren heißt für mich, mit jeder Faser das Leben zu spüren.

Sinnlich geht es auch zu, wenn ich an die herrlichen Gerüche denke!
Kreta ist im Frühling eine einzige Gewürzküche. Majoran, Rosmarin und tausend andere Gerüche, die ich nicht kenne und nicht näher beschreiben kann. Aber im Schlaf wieder erkennen würde.
Hier in Amerika sind die Gerüche andere. An der Küste rieche ich den salzigen Nebel. In den Redwoods duftet es nach feuchter Erde und Rinde. Wie Mulch. Und zwischendrin sind sehr dominant die würzigen Eukalyptus-Bäume. Eine Mischung aus Harz und Terpentin.

Wunderbar fühlt sich rauer Asphalt an. Der ganze Körper vibriert davon. Und die Vibration des Motors kommt noch dazu. Wenn ich den Motor ausstelle und absteige, gehe ich anders, das steht mal fest! Ein bisschen John Wayne, da wären wir wieder bei der Cowboy-Romantik. Mehr Eier in der Hose. Und das ist nicht nur eine Frage der Vibration.

Denn die innere Überwindung und Mut stehen am Anfang jedes größeren Ritts. Die Gedanken kreisen dann um Technik, Bremsen, Verkehr. Und natürlich, ob ich selbst in optimaler Verfassung bin, ausgeschlafen, mich in meinem Körper wohl fühle. Wenn ich mich in meinem Körper nicht wohl gefühlt hätte, wäre ich in keinem Fall diese twisty little roads in den Redwoods gefahren.

Ich brauche das ab und an: meinen Mut unter Beweis stellen. Vor allem vor mir selbst. Aber ich mag es auch, wenn meine Frau oder mein Freund sich Sorgen um mich machen und warten, bis ich gesund von meinem Ritt zurückkomme.

Freitag, 6. Juli 2007

Auf dem Highway No. 1 nach Süden



Bin wieder zurück! Hier mein Bericht.

Die BMW hat fast 1200 Kubik Hubraum und ist damit fast doppelt so kräftig wie meine Transalp. Gemietet bei Dubbelju Motorcycle Rentals. Wolfang, der Inhaber ist ein sehr hilfsbereiter und offener Stuttgarter in meinem Alter, der vor 16 Jahren sein Geschäft in S.F. aufgemacht hat (www.dubbelju.com).

Dienstag, 03. Juli: Fahrt bis Monterey
Hinter der Stadtgrenze in Richtung Süden finde ich auf Anhieb die Zufahrt zu dem legendären Highway No. 1. Die Pazific-Küste liegt in dichtem Nebel. Meine Knie sind kalt. Ich halte an einem Aussichtspunkt, an dem man heute nicht viel sieht, binde mein gelbes Halstuch um und ziehe den Reißverschluss meiner Jacke zu.

In dem Moment wird mir bewusst: mein Traum erfüllt sich! Ich fahre den Highway No. 1 die amerikanische Westküste runter nach Süden.

Das ist ein Film, der lange vor meinem inneren Auge abgelaufen ist. Ein schönes und starkes Gefühl, den eigenen Film gewissermaßen zum Leben zu erwecken. Und bestimmt eine Erfahrung, die über diesen bloßen Glücksmoment hinaus etwas in mir verändern wird. Ich denke, es hat etwas mit Kraft und persönlicher Energie zu tun. Das eigene Leben in die Hand zu nehmen, statt sich "vom Schicksal herumschieben" zu lassen - darum geht es glaube ich. - Wird mich noch eine Weile beschäftigen...

Drei Stunden später, kurz vor Monterey, wo Steinbeck seinen Roman „Die Straße der Ölsardinen“ schrieb, halte ich an einem Roadhouse an und esse thailändische Nudeln. Der Ort heißt Santa Cruz. Mein Tischnachbar, ein tätowierter Typ in den 40ern spricht mich an, und wir reden über das scharfe Essen. Schön!
Ich fahre weiter. Inzwischen knallt die Sonne. US-Biker grüßen sich übrigens, wie die Biker in Europa.

Um fünf nachmittags komme ich in Monterey an, checke in meinem Motel für die Nacht ein. Sehe ein paar Jungs am Hafen beim Angeln zu. Finde dann einen einfachen Fisch-Imbiss. Esse für wenige Dollar Calamari mit Fritten, schreib dabei Tagebuch. Bin nett zu der Kellnerin, kriege dafür ein Lächeln.


Mittwoch, 04. Juli: An der Felstküste von Big Sur
Aufbruch für die letzten anderthalb Stunden nach Big Sur. Der Nebel über der schroff abfallenden Felsküste ist so dicht, dass ich die Brücken nicht mal sehe, über die ich fahre. Bix Bridge z.B. steht 200 m tief auf Stelzen in einem Canyon. Nichts davon zu sehen!

Mitten im Nebel blinkt plötzlich meine Tankleuchte gelb auf: nur noch eine halbe Gallone Benzin! Ich seh am Straßenrand einen Harley-Fahrer, halte an und frage ihn nach der nächsten Tankstelle. Er rät mir umzukehren nach Monterey. Big Sur sei unsicher, was Benzin angeht. „Ride save!“, ruft er mir hinterher.

Beim zweiten Anlauf reißt der Himmel auf. Nebeltücher stürzen in die Tiefe. Extremer Wind! Ein Natur-Schauspiel. Und da, wo der Himmel kurz blau wird, sehe ich über viele, viele Meilen die zerklüftete, legendäre Westküste von Big Sur. Da steht Kreta doch ein Stückchen zurück. So schön, wie Kreta ist.

Esalen
Was mich auf dem Esalen-Gelände sofort gefangen nimmt, ist der Blick von hieraus auf den Pazifik. Der Nebel hat sich komplett verzogen. Und unterhalb des Seminarhauses liegt eine saftige grüne Wiese wie eine natürliche Terrasse überm Ozean und gibt dem Blick etwas Festliches.

„Esalen – America and the Religion of No Religion“ lautet der Titel eines gerade erschienenen Buchs über die Geschichte von Esalen, die ich in der Bücherei im Seminarhaus finde. Der Bogen spannt sich über 50 Jahre, von Henry Miller und Aldous Huxley, über Freud und Fritz Perls, dem Erfinder der Gestalttherapie, bis zu zen-buddhistischem Gedankengut in der neueren Zeit.

Draußen toben Kinder übers Gelände, Paare flanieren und schauen aufs Meer. Grüppchen „weiser Frauen" mit bunten Kleidern lachen zusammen. Eine sehr lebendige und sehr gelöste, meditative Atmosphäre!

Das International Arts Festival 2007
Dann beginnt die Parade. Amerika und seine Umzüge - selbst in Esalen nicht zu stoppen! Vier junge mexikanische Tänzerinnen in gelb-rot-grünen Trachten führen den Zug an. Es folgen die Trommler. Hinter ihnen verkleidete Kinder mit japanischen Sonnenschirmen. Ein dürrer Afrikaner in weißem Gewand und schwarzem Zylinder führt die Kinder an und bläst im Rhythmus zu den Trommeln auf der Trillerpfeile. Irre! Der Zug umkreist die Festwiese mehrmals.

Wir sitzen auf Decken vor der Bühne. Die afrikanischen und amerikanischen Bands spielen bis zum Sonnenuntergang. Sie beziehen uns ein. Eine 60-Jährige baggert mich an, stellt sich als Rechtsanwältin vor. Sie geht mir auf den Zeiger, als sie mich überreden will, sie für "schöne Stunden" in ihren Villen in Idaho, San Diego oder Mexiko zu besuchen. Ich finde leider den Absprung etwas spät.

Bevor ich aufbreche, begleitet ein weißer Musiker gerade eine schwarze Soul-Sängerin auf seiner Stahlseiten-Guitarre. Er holt aus seinem Instrument so unglaubliche Klänge! Ich bin völlig begeistert!

Ich fahre in der glutroten Dämmerung ein paar Meilen die Küstenstraße wieder nach Norden. Frage einen Freak an einer Tankstelle nach Fernwood-Camping und krieche – nach einem Heineken und einem Snickers – in mein gemietetes Zelt mit Schlafsack.

Donnerstag, 05. Juli: Kurvenfahren im Redwood-Forest
Rückfahrt nach San Francisco Donnerstag früh. Die Tour führt diesmal durchs Landesinnere, fünf Stunden durch die heißen Santa Cruz Mountains. Ich fahre enge Serpentinen durch hohe Redwood-Wälder! Treffe einen Honda-Fahrer und fahre mit ihm eine Stunde gemeinsam kurvige Straßen, herrlich!

Kurz vor San Francisco sticht mich eine Biene in die linke Augenbraue.
Zur Zeit seh ich aus, als hätt ich auf der Mission-Street einen "Fight" gehabt.

Album: Big Sur und Esalen

Sonntag, 1. Juli 2007

Langsam geht was...


Ich finde es aufregend rauszufinden, wie die Leute hier ticken. Deshalb investiere ich viel, mit „meinen Leuten“ hier auszukommen. Wenn John manchmal etwas mütterlich ist (heute hat er mir Apfel-Juice gekauft), und ich merke, dass es seine Art ist, mit jemandem klar zu kommen, dann nehme ich ihn so. Soll ich ihn mit 73 erziehen?
Meine Beziehungen zu John, Jeanny, Carlos, Joyce, Marius, Gioia und Don hüte und pflege ich wie Schätze.

Dabei werd ich nicht versäumen, auch durch die Gegend zu reisen. Für Dienstag bis Donnerstag hab ich mir eine BMW R 1150 GS gemietet, um 4 – 5 h nach Big Sur zum Esalen Center zu fahren (Tipp von Monika). Werd einmal in Monterey und einmal in Big Sur übernachten.

Ms. Jean Warmbold, alias Jeanny hat mir heute eher beiläufig gesteckt, dass sie vier Thriller veröffentlicht hat. Einer ist in sechs Sprachen übersetzt. Im Deutschen: Der arabische Freund, erschienen im Eichborn-Verlag, 1992. Das meiste Geld bringt ihr jedoch ihr fünftes Buch, ein kritischer Video- und Filmführer für USA. Mmhh, sind Frauen eigentlich bescheidener als wir? Und ich hab geglaubt, sie wär ein alter Hippie und hätte immer nur in coffee shops Geschirr gespült. Shame on me! Fange heute Abend mit dem deutschen Titel an und werde berichten, wie er ist.

Samstag, 30. Juni 2007

Dinner-Party bei Jeanny


Es ist halb eins nachts hier, ich komm gerade von meiner Einladung zurück. Zwölf Leute! Hab mich gut gehalten mit meinem Schul-Englisch. Jeanny und Ihr Flurnachbar Don Jacot waren Gastgeber.
Jetzt geht es auch weiter mit Kontakten hier in der Stadt.
Kennen gelernt hab ich heut abend ein italienisches Ehepaar, Gioia(62) und Fluvio Re(70) aus Padua, seit 20 Jahren in San Francisco. Sie waren gemeinsam von Padua über New York nach San Francisco gegangen, weil sie einen neuen Anfang machen wollten. Sie hatten Mitte der 80er-Jahre ihren 20-jährigen Sohn bei einem Verkehrsunfall verloren. Beide keine Liebhaber des Small-Talks, sondern sehr herzliche Menschen! Gioia Re leitet eine Sprachschule des italienischen Konsulats. Beide haben mir angeboten, mich jederzeit bei ihnen zu melden.

Mit einer Professorin für Kommunikation und Medien von der San Francisco University hab ich mich unterhalten. Interessant fand ich: sie erzählte von Commercial Aufträgen, die sie als Schriftstellerin nebenher macht. Als ich nachfrage, erzählt sie nicht von Werbeaufträgen - das hätte ich erwartet - sondern von einem Theaterstück, woran sie arbeitet. Vielleicht ist das auch San Francisco?!

(Ich kann kaum noch schreiben, so müde bin ich... aber das noch:)
Don Jacot malt magisch realistische Bilder. Ist 57.
Er ist mit seinen Eltern aus der französisch-sprachigen Schweiz im Alter von fünf in die Stadt gekommen. Er zeigt mir einen Kunstband über Photo-Realismus in Amerika. Auf dem Bild neben seinem Lebenslauf ist er 25, hat lange blonde Haare. Ein Hippie, endlich!! Er wohnt und malt hier in einer winzigen Wohnung auf der andern Seite des Flurs. Wie besessen scheint er seit Jahrzehnten an photorealistischen Bildern zu malen, die ich nicht verstehe. Die Bilder sind realistischer als die Fotografien, von denen er seine Stillleben mit Blechspielzeug abzeichnet.

Zur Zeit hat der Arzt ihm das Malen verboten. Sein Schultergelenk ist vom vielen Arbeiten im Atelier entzündet: Tag für Tag, 8 - 10 Stunden täglich, Monat für Monat, Jahr für Jahr.
Don fragt mich aus über Schweden, Norwegen, Motorradfahren, will alles wissen.
Mein Gefühl aus den Gesprächen mit ihm: er sehnt sich nach Leben, aber traut sich nicht. Seine brennende Sehnsucht nach Liebe, oder was weiß ich, glitzert und blitzt in den glatten Spielzeugen auf seinen bunten Leinwänden. Ich will ihn gern wiedersehen, weiß nicht warum.

So, jetzt leg ich mich hin. Gute Nacht!
Album: Dinner-Party in Mission

Mittwoch, 27. Juni 2007

John's Tante hat für Dean Martin und Loretta Young gekocht



John hat heute Geburtstag gehabt!
Er hat ein Reihe von diesen vorgedruckten Happy-Birthday-Karten bekommen. Und das Telefon stand den ganzen Tag nicht still.
Ich hab ihm ein schönes Stück Tiramisu einpacken lassen. Und hab das Päckchen mit sechs Kerzen drauf und einem Gutschein für ein Fotoalbum aus unserer gemeinsamen Zeit hier in sein Schlafzimmer getragen. Er musste die Kerzen ausblasen und sich dabei was wünschen.

Die Chemie zwischen uns stimmt. Ich hole mir Rat bei ihm, um auf der Straße zurecht zu kommen. Und er fragt mich, ob seine Anzeigen-Texte und Mails in Ordnung sind.
Ich will heute mal von ihm erzählen...

In New Orleans geboren
John ist in New Orleans geboren. Sein Vater hat sich kurz nach seiner Geburt aus dem Staub gemacht. Hat weder Alimente bezahlt, noch ist er je wieder aufgetaucht. John's Mutter konnte den Jungen mit Putzen allein nicht ernähren. Also hat die Großmutter John aufgezogen, sodass die Mutter mehr Zeit für Putzstellen hatte. Da das Geld für die drei immer noch nicht reichte, hat die Tante, die Köchin war, Geld dazu gegeben.

John's Tante muss eine fabelhafte Köchin gewesen sein. Zwischen den 50er- und den 70er-Jahren hat sie für einen Catering-Service in Beverly Hills gearbeitet. John erzählt, dass sie im Haus von Dean Martin, Loretta Young und vielen anderen Stars gekocht hat, wenn dort Parties waren. Seine Tante war so gut zu ihm, sagt er, dass er heute nicht von ihr sprechen kann, ohne dass seine Augen feucht werden.

Geldbote mit Bodyguard
College. High School. Abschluss. Erste Anstellung im Öffentlichen Dienst. Heirat.
Die Ehe bleibt kinderlos. Seine Frau stirbt sehr früh, 1978.
Ich kürze ab: In den letzten 20 Berufsjahre ist John als Geldbote für die Stadt San Francisco tätig. Immer mit einem Polizisten an seiner Seite.

Seit einigen Jahren verdient John sich mit kleinen Engagements beim Film etwas zur Rente dazu. Er spielt alles, was ein Mann in seinem Alter darstellen kann: die Vater-und die Großvater-Rolle, den Polizisten, den Weihnachtsmann usw. Manchmal arbeitet er als Stunt(oder was ähnliches) für berühmte Stars, die es nicht nötig haben, bei der 27. Einstellung noch selbst mit dabei zu sein. Manchmal auch richtige, eigene Rollen. Zum Beispiel hat er einen Polizisten in einer Krimi-Serie wie "Die Straßen von San Francisco" gespielt.

Beratung "für die Straße"
Was ich an John besonders schätze, ist, dass er sehr klar ist und Humor hat!
Er berät mich zum Beispiel so: "Fränk, wenn Du seit 35 Jahren mit einer Frau zusammen bist, dann kennst du dich auf den Straßen nicht aus. Das musst du so machen... "- Und dann stellt er sich neben mich. Rollenspiel beginnt: "Auf keinen Fall darfst du nur Hello oder Good morning sagen. Das bringt garnichts. Du musst Fragen stellen, sag zu deinem Nachbarn, 'Hey, wie gehts Ihnen, wie finden Sie die Parade heute?' - So beginnen Freundschaften, so einfach ist das...."

In Bezug auf Jeanny flachst er mich gerne an: "Fränk, hast Du Deine Zahnbürste eingesteckt?" Und grinst abscheulich.(Dabei weiß er genau, dass zwischen Jeanny und mir absolut nichts läuft.) Oder er berät mich ganz ernst: "Du musst, wenn Du sie wiedersiehst, ganz vorsichtig vorgehen. Du hast sie zurückgewiesen, und Frauen mögen nicht, wenn man sie von der Bettkante schubst. Also musst du erstmal rauskriegen, ob sie immer noch will, dass du über Nacht bei ihr bleibst." Und so weiter und so fort.

Das ist John, mein landlord. Man muss ihn einfach mögen.

Dienstag, 26. Juni 2007

Bloggen - wie geht das? Und wem bringt's was?


Wie dieser Lurch hier bin ich heute durch meinen Tag gelaufen. Vorsichtig und wach und ein bisschen gestaucht. In den letzten Tagen hab ich in den Spiegel gekuckt und gedacht, was machst Du alter Depp hier eigentlich – das hättest Du alles mit 23 machen sollen!

Danke für Eure Kommentare und Mails, danke an Andrea und Robert, dass ihr mich ermuntert habt zu schreiben, wie's mir zur Zeit geht! Hab mich heute mit Jeanny zum Kaffee getroffen. Und Freitagabend gehen wir mit italienischen (nein: italo-amerikanischen) Freunden von ihr aus. War ein schöner Tag heute!

Ein Blog ist sicher nicht da, um das Internet voll zu heulen. Aber subjektiv und persönlich darf und soll es in einem Blog schon zugehen. Wie persönlich? Hmm, da bin ich unsicher. Mein Eindruck ist: nicht zu viel! Beim Lesen erwarte ich selbst eine gute Portion interessanter Info.

Gut läuft es, wenn es im Blog ein Geben und Nehmen ist: manche schreiben mir, sie freuen sich schon auf mein Posting am nächsten Morgen. Das ist natürlich toll! Und für mich wiederum ist es eine starke Verbindung nach Hause, über die ich auftanken kann, damit ich hier wieder frecher werde. - Ich arbeite grade dran :-)

Album: Der Nebel kommt...

Sonntag, 24. Juni 2007

Gay and Lesbian Pride Parade


Love and Sex – oder Sex and Love. In welcher Reihenfolge man/frau es auch immer vorzieht. Ich wusste jedenfalls, wo ich hinkucken musste: soviel Halb-Nackte, Dreiviertel-Nackte, Ganz-Nackte, Muskelbepackte, Barbusige, Lederbekleidete, Trannies, bildschöne Männer und harte Weiber hab ich bisher nicht in ein paar Stunden gesehen! Market Street war ein Menschenmeer. Ich mittendrin, aber allein. Von halb 11 vormittags bis fünf heute Nachmittag. John wollte lieber zur Kirche als zur Parade. Ist danach ins Bett und hat sich alles im telly angesehen.

Heute Nachmittag fühlte sich das Alleinsein nicht mehr gut an. Ich bin dann nach Mission gefahren und in den Dolores-Park gegangen. Aber die Musik-Bühne im Park war schon abgebaut. Auf dem Rasen lagen tausend Grüppchen, zum Teil bekifft - und quatschten. Hab mich dann in mein Lieblings-Cafe gesetzt und zum Trost einen fetten Schokoladenkuchen gegessen. Neuer Tag, neues Glück!

Hab seit heute wieder Kontakt zu Jeanny und den andern Dreien vom vorletzten Freitag. Außerdem werd ich morgen die Frau anrufen, die hier in der Drehe bei ihrer Schwester wohnt und mir nach einem Schwätzchen im Bus ihre Telefonnummer gegeben hatte. Über John bekomme ich nicht einen einzigen Kontakt. Er liegt viel im Bett, kuckt Fernsehen und telefoniert. Ich bin ziemlich weich gekocht und knapp vor dem Punkt, wo ich anfange richtig zu kämpfen.

Album: Happy Pride!

Samstag, 23. Juni 2007

Konzert in der Davies Symphony Hall


Freitagabend vor Gay and Lesbian Pride Day in San Francisco! 300.000 Menschen sammeln sich, reisen an aus Houston, Los Angeles, Seattle, halb USA... Die Busse und Muni-Trains quillen über.

Um 19:30 stehe ich vor der Davies Symphony Hall in Downtown. Mache ein paar Aufnahmen, stelle mich dann in die Schlange an der Kasse und hole meine vorbestellte Karte ab.

Ein Blick in die Runde im Foyer: sehr normale Leute. In meiner Reihe auf dem Balkon: ein scharzhaariger, etwa 60-jähriger Latino, schwarzes Jacket, darunter schwarzes offen stehendes Hemd, schwarze Hose. Seine Begleiterin auch etwa 60, Amerikanerin, große braune lebhafte Augen. Ihr kräftiges, wellig-graues Haar reicht bis über die Hüften. Daneben ein weißhaariger Mann im Anzug und Krawatte, vielleicht ein Professor? Und ein weiterer Mann im Anzug, gleiches Alter. Die vier sind befreundet. Lachen mich breit und freundlich an, als ich meinen Platz einnehme. Auf dem Nachbarbalkon drei Männer in ihren Zwanzigern in blauen und roten T-Shirts mit Sprüchen drauf.

San Francisco ist nicht Düsseldorf und nicht München, wo sich Smoking an Smoking reiht. Hier geht alles munter durcheinander. Beruhigend. Erst mal durchatmen. Der Blick aufs Orchester ist gut.

Auf dem Programm stehen: Sergej Prokofiev’s 1. und 5. Klavierkonzert und zwei weitere Orchesterstücke von ihm, die ich nicht kenne. Die Solisten sind Russen: Ilya Yakushev (Sankt Petersburg) und Mikhail Rudy (Ukraine).

Schon nach wenigen Minuten des ersten Konzerts fliegen meine Gedanken über den Tag. Eine Mail an Peter, die Arbeit am Schreibtisch…

„Peter und der Wolf“ war mein erstes Stück von Prokofiev, das ich mit vielleicht zwölf gehört habe. – Mit „Peter und der Wolf“ konnte man richtig gut die doch ähnlichen Klänge der verschiedenen Orchester-Instrumente auseinander halten lernen. Das tiefe Fagott stand z.B. für den Wolf. - Was sonst wie Eintopf klang, wurde in dem musikalischen Märchen fürs ungeübte Ohr hörbar: die Orchestermusiker spielten einzeln nacheinander, statt alle zur gleichen Zeit. Zwischendurch sprach ein Schauspieler auf der Bühne knappe Texte: ein Märchen.

Und das macht Prokofiev aus. Ist mir heute Abend übrigens erst klar geworden! Mit Klängen baut Prokofiev Welten: die Holzbläser-Welt, die Blechbläser-Welt, die Welt der tiefen Streichinstrumente, Bässe und Celli, die Welt des Trommelwirbels und Beckenklirrens, die Welten des Xylophons und der Harve. Die brillante Klangwelt des Klaviers. Prokofiev soll übrigens sein ganzes Leben nicht einen einzigen Tag ohne ein Piano verbracht haben.

Und Klangwelten folgen allmählich Bilderwelten. Welten – vielleicht wie die Distrikte dieser Stadt: eine einsame Oboe für die Straßen von Russian Hill, schrille Trompeten für die Feuerwehr auf Telegraph Hill, struppige Violinen für das Leben in den Straßen von Mission...

Im Bus nach Hause sitzen fünf Leute mir gegenüber: eine rothaarige Frau um die 60, amputiert, nackter Armstumpf. Ihr raues lautes Lachen erinnert mich an Friderun. Neben ihr eine ältere, füllige Frau mit breiten weichen Lippen und einer großen Brust, beide offenbar befreundet. Daneben ein zarter Mann mit weißem Haar, schaut in eine Zeitung, vielleicht ein Künstler. Daneben eine Frau in den 40ern, mit roten nach hinten gebunden Haaren, einem schönen Gesicht, rotem Pulli, Rock und roten Pumps, in ein Buch vertieft. Neben ihr eine vielleicht 70jährige Frau, struppiges graues Haar, mit großen offenen braunen Augen, großer Nase und einer langen Kette mit goldenen und blauen Holzkugeln. Sie schaut die andern Leute neugierig an: eine Psychoanalytikerin?
(Nachtrag vom 23.06.) Alles richtige, sympathische Menschen! Gesichter mit Geschichten, die ich gern kennen würde! - Ich fühlte mich gestern Abend sehr allein.

Album: San Francisco Symphony

Mittwoch, 20. Juni 2007

Abstieg von Twin Peaks über Noe Valley



Hi there!
Für meine Blog-Leser noch ein paar neue Bilder, nachdem ich jetzt doch bis Mitternacht am Schreibtisch gesessen habe. Über einem Antrag ans BMBF in Bonn, der mir eine Projektstelle für die nächsten drei Jahre sichern soll.

Also in Kürze ein paar Sätze zu den Bildern im Album: Mein Aufstieg auf den höchsten der insgesamt sieben Stadthügel von San Francisco. Twin Peaks. Es sind genau genommen zwei Hügel, Zwillinge halt! Von dort oben sieht man die ganze Stadt. Ikarus hätte hier Anlauf genommen.... Nicht sehen kann man: South San Francisco. Weil der Süden hinter Twin Peaks liegt. Dort wohnt John. Ich fahre also täglich mit dem Muni-Train (U-Bahn) durch den Tunnel, der durch Twin Peaks hindurchführt. Auf Twin Peaks ragt der rot-weiße Sutro Tower 290 Meter in den Himmel. Er trägt die Antennen der städtischen Radio- und Fernseh-Sender.

Beim Abstieg kam ich durch den ehemaligen Arbeiter-Stadtteil Noe Valley. Heute viel zu teuer für die Hispanics! Die wohnen in South S.F. oder in Vororten. Noe grenzt an Castro und Mission und hat ein paar wirklich schöne Villen. Seht selbst!

Album: Twin Peaks und Noe Valley

Montag, 18. Juni 2007

Financial District und Chinatown


John und ich hatten heute Waschtag. Waren in einer coin-laundry und haben gemeinsam auf unsere Unterhosen im Trockner gewartet und gequatscht. Gelernt: man spricht bei Männern nicht von underpants sondern von shorts oder underwear, bei ladies gehen die Begriffe panties oder underpants in Ordnung.

Unser W-LAN ist hoffnungslos zusammengebrochen, nachdem wir von Nachbarn mit konkurrierenden W-LAN-Signalen nur so bombadiert werden und wir regelmäßig aus dem Netz geflogen sind. Wir mussten eine neue Entscheidung treffen und sind jetzt auf die dritte Variante umgestiegen: auf ein lokales Kabelnetz mit Router. Neuanschaffung: ein 50-feet-Kabel für meine 40 Dollar, das so lang ist, das ich es unter den Teppich verlegen konnte.

Die Bilder heute sind im Financial-District in Downtown entstanden. Ob es das Bankenviertel oder der Messeturm in Frankfurt ist oder Bilder von Manhatten: bei Hochhäusern und Wolkenkratzern schlägt mein Herz schneller! Wie geht es Euch dabei?

Ich hab einmal den Blick von der Fähre auf die Skyline von S.F. und einen weiteren von Twin Peaks, der höchsten Erhebung, auf den Financial District mit hochgeladen, damit ihr einen Überblick kriegt.

Unmittelbarer Nachbar-Distrikt ist Chinatown. Dieses Viertel mit seinen quietsch-bunten Fassaden, Pagoden und Tempeln, über die Straße gespannten Lampions, Geschäften und Restaurants ist wie eine Stadt in der Stadt. Es erstreckt sich über ein Areal von vier Blocks in Ost-West- und sieben Blocks in Nord-Süd-Richtung.

Album: Financial District and Chinatown

Aufstieg zum Coit Tower - bei Sonnenuntergang


Der Telegraph Hill liegt im italienischen Stadtteil North Beach. Ein 87 m hoher Stadthügel, der ganz vorn am Wasser liegt, hinter ihm der Russian Hill und in östlicher Nachbarschaft der Financial District, mit seinen Wolkenkratzern.

Ich war gestern am frühen Abend noch mal nach Downtown gefahren. War durch den Financial District und dann die Columbus Avenue runter gelaufen. Columbus Avenue ist das Zentrum des Nachtlebens, mit seinen italienischen Restaurants und Cafés. Hier spielen die Jazz-Bands.
Dann bin ich den Telegraph Hill hoch gestiegen, eine sehr steile Straße und hab diese Abendstimmung über dem Financial District und über Russian Hill fotografiert.
Diese Blicke gehen mir regelrecht an die Nieren.

Auf dem Gipfel des Telegraph Hill steht der nachts beleuchtete Coit Tower. Eine exzentrische Millionärin namens Lilie Coit hat den Turm zu Ehren der städtischen Feuerwehr gestiftet. Die Spitze des Betonturms ist der Düse eines Feuerwehrschlauchs nachempfunden.

Die langen, altmodisch wirkenden und doch hoch-modernen Feuerwehrwagen in San Francisco sind fester Bestandteil des Straßenbilds. Beim Abstieg kamen mir wieder zwei Wagen mit rotierenden grell-roten und weißen Lichtern und ohrenbetäubendem Sirenengeheul entgegen.

Album: Telegraph Hill und Coit Tower

Samstag, 16. Juni 2007

Meine Bekanntschaften


John und ich sind uns jetzt einig, dass ich auch im Juli hier wohnen bleibe.

Seit gestern schwimme ich – statt 1000 Meter – eine Meile. 1 mile entspricht ca. 1,6 km. Möglicherweise ein Anzeichen für die schleichende Amerikanisierung meiner Lebensgewohnheiten?

Im Internet finde ich: Beckenlänge Mission-Pool 100 feet. Bevor ich das in Meter umgerechnet habe und dann von Meter in Anzahl zu schwimmender Bahnen, schwimme ich lieber gleich eine Meile. Das sind 59 Bahnen, sagt der Bademeister, ein junger Philippino, der den Pool hier straff aber freundlich führt.

A good sense of humour
Vor ein paar Tagen spricht mich im Wasser ein Amerikaner in den 40ern an: „Wie viel Bahnen werden wohl eine Meile sein?“- Zu dem Zeitpunkt hatte ich noch nicht gefragt und wir kamen ins Rechnen. Er sagt, dass sein Land das letzte sei, das noch nicht auf das Dezimalsystem umgestellt habe, mühsam die internationale Umrechnerei mit feet, pound, inch und gallions. „Aber ich bin sicher, wir beide können uns hier im Becken wenigstens einigen, wer jetzt gleich zuerst schwimmt.“ - Das ist das, was sie hier in Wohnungsanzeigen „a good sence of humour“ nennen! Ein netter Typ.

Ein zweiter Schwimmgenosse ist genauso sympathisch, aber scheu. Ich spreche ihn jeden Tag an, er wechselt zwei, drei Sätze mit mir. Dann verabschiedet er sich schnell. Er ist sehr ernst. Sagt, er schwimme hier, weil er damit Spannungen abbaue.

Ein braungebrannter, muskulöser 60er liest immer zuerst die Zeitung, schwimmt dann eine Meile. Ich grüße ihn jeden Tag. Heute kuckt er konzentriert nach unten, als ich aus dem Pool komme und grüße. Ist okay. Wer weiß, was er verhandelt. Vielleicht denkt diesmal er, ich sei schwul…

Jim - zweiter Bademeister in Mission
Gestern hab ich den zweiten Bademeister(lifeguard) angesprochen. Daraus wurde ein halbstündiges Gespräch am Beckenrand in Mission. Jim ist vermutlich ein Alt-Hippie, in meinem Alter, könnte im Steintor leben. Ein Bademeister mit ideologischem Überbau. Mit ihm konnte ich wunderbar über die philosophischen und psychoanalytischen Aspekte der Hydrophilie (Wasserbegeisterung) in Abhängigkeit zu pränatalen Erfahrungen sprechen. In meinen einfachen Worten, aber immerhin :-)

Als ich auf dem Heimweg ein Holzhaus fotografiere, spricht hinter mir eine Frau wie mit einem Kind. Ich dreh mich um und sehe eine Endfünfzigerin im Gespräch mit einer Taube, die ganz nah bei ihr auf dem Fußweg pickt.

My first night out for dinner
Sie spricht mich an. Wir sprechen über die Taube, die einen Namen hat. Hier wohne ich, sagt sie, zeigt auf das Haus hinter sich und lädt mich ein, um 6 p.m. um die Ecke mit ihr und Freundinnen zu Abend zu essen. Ich sage: Vielleicht.

Um halb sieben gestern Abend kreuze ich dort im Lokal auf, aber sie ist nicht da. Ich überlege kurz, bin immerhin 45 Minuten unterwegs gewesen. Ich gehe zu ihrem Haus und klingele. Sie macht auf, wundert sich kurz, ich sage, ich bin zu spät, hab etwas gezögert zu kommen, sie sagt: Du bist nicht zu spät, komm rein! Dann fangen wir ein Dreier-Gespräch mit der Katze an, die mich angeblich mag. Gut, wenn man Frauen und solche Sätze kennt! Nach 5 Minuten klingelt das Telefon. Sie telefoniert 20 min und sagt, ich solle mich mit der Katze bekannt machen. Nach 20 Minuten klingelt es an der Tür. Ein vielleicht 60 jähriger Mexikaner kommt rein, wir machen uns bekannt - und reden. Jeanny (so heißt sie) telefoniert seelenruhig weiter. Carlos, der Mexikaner sagt: mich hat sie für 7 Uhr bestellt, was machst Du hier? Ich sage, mich hat sie für 6 bestellt. Wir lachen und reden über Gott und die Welt – irgendwann auch über Therapie, und dass wir beide Erfahrung haben (er hat für die Telefongesellschaft Kabel verlegt).

Schottischer Volkstanz in S.F. - why not?
Die Tür klingelt ein zweites Mal: diesmal kommt eine weißhaarige zarte Frau rein, setzt sich zu uns. Wir beziehen sie ein, sie kommt gerade vom schottischen Volkstanz. Dann hört Jeanny auf zu telefonieren, und es klingelt ein drittes Mal. Marius kommt, ebenfalls um die 60. Jeanny stellt mich mehr nebenbei als "ihr deutscher Freund" vor und wir beschließen in ein mexikanisches Restaurant zu gehen.

Wir essen beim Inder auf der Valencia Street. Ich rede lange mit Joice, der Weißhaarigen, die jetzt auch mit Analphabeten in S.F. arbeiten will, dann in der ganzen Runde über Angela Merkel (Miss Mörkel!), die sie als verkrampft und streng empfinden, sie fragen mich nach meiner politischen Einschätzung. Themen ohne Ende.
Um 10 p.m. tauschen wir Telefonnummern. Ein schöner Abend.

In Castro steige ich in den Bus, der ist proppenvoll. Freitagnacht-Flimmern! Die Mädels sind hübsch, die guys fühlen sich gut! Downtown ist ein Lichtermeer. Und alle sind unterwegs, jemanden zu treffen oder zu finden.