Montag, 30. Juli 2007

de Young Museum


Das zweite Top-Museum in der Stadt – nach SFMoMa – ist das de Young. Es steht im Golden Gate Park und zeigt über 1000 Arbeiten US-amerikanischer Maler. Außerdem: indianische, mexikanische, aztekische, afrikanische und polynesische Kunst, die mich heute überhaupt nicht interessiert hat. Ich hatte die Amerikaner in europäischen Museen nie wahrgenommen. Weiß nicht, woran das liegt. Wahrscheinlich gibt es in Europa nicht viele Bilder. Hier ist alles, was in USA Rang und Namen hat, an einem Ort. Was ich überhaupt nie erlebt habe: man durfte drinnen fotografieren.

In naturalistischen Darstellungen aus dem späten 19., Anfang 20. Jahrhundert spiegelt sich amerikanische Geschichte. Fand ich spannend! Das ist bei uns genauso, aber man vergisst es. Ich hab vier Bilder fotografiert: eines vom Frühling in Kalifornien, eines von Indianern auf Bisonjagd, ein Häuptlings-Portrait und ein Gemälde mit dem Titel „Die letzten Momente des John Brown“. Amerikanische Geschichte. Wer kennt das Lied „John Brown’s Body“ nicht?! John Brown war weißer Militärangehöriger, der sich mit Gewaltaktionen gegen die Sklaverei in den Südstaaten gewandt hat und sechs Monate vor Beginn des amerikanischen Bürgerkriegs dafür gehängt wurde (gelernt bei Wikipedia).

Die modernen Bilder kommen von George O’Keeffe, Diego Rivera, Edward Hopper, Willem de Kooning, Wayne Thiebaud und vor allem hier in Kalifornien: von Richard Diebenkorn. Diebenkorn ist für die Zeit nach dem zweiten Weltkrieg eine richtige Größe in Kalifornien! Malerei-Interessierten kann ich ihn nur auf das Schärfste empfehlen! Seine Bilder sind voller Licht und Sonne. Wie die Bilder der französischen Maler an der Côte d’Azur. An Matisse hat er sich tatsächlich orientiert.

Das Museum wurde beim Erdbeben von 1989 zerstört und jetzt von zwei Schweizer Architekten wirklich mutig wieder aufgebaut. Das de Young ist zur Zeit – zusammen mit dem unzweifelhaft scheußlichen Mariott-Hotel an der Market Street - das umstrittenste Gebäude San Franciscos. Mir gefällt es. Das Gebäude ist so schlicht, man verlässt es, und zurück bleibt nur die Erinnerung an einzelne Bilder. Ist das nicht der Zweck eines Museums? Beim SFMoMa denke ich hauptsächlich an das Gebäude, die Bilder hab ich bis auf eins längst vergessen.
Album: de Young Museum

Sonntag, 29. Juli 2007

Nachtleben auf Columbus Avenue


Ich bin schon öfters gefragt worden, welcher Platz in dieser Stadt mir am besten gefällt. Es ist Columbus Avenue und North Beach. Columbus Avenue ist leichtes Leben, italienisch Essen, gut gelaunte Menschen. Ich war öfters hier, nicht nur allein.
Wenn alles klar geht, werden wir uns auf Columbus Avenue herumtreiben, meine Sommergäste und ich.

Columbus Avenue ist die Pulsader von North Beach, dem Viertel der Italiener. North Beach reicht bis zu den Kais vorne, wo die Boote nach Alcatraz und Sausolito abfahren.

Erst kamen italienische Fischer (19. Jahrhundert), dann haben die Italiener Restaurants eröffnet. Die besten liegen links und rechts auf Columbus Avenue, viele mit Tischen und Stühlen draußen. In den 50iger und 60iger Jahren zogen die Beatniks in die Seitenstraßen, billige Wohnungen gab’s damals noch hier unten. Heute sollen die meisten Schriftsteller der Stadt hier wohnen. Kerouac, Ginsberg und Co. tranken ihren Kaffee im Vesuvio und holten sich Literatur im City Lights, einem Buchladen, den der italienische Dichter Lawrence Ferlinghetti damals aufgemacht hatte und noch heute führt. Hier findet man alles, von Bob Dylan bis Rosa Luxemburg.

Im City Lights hab ich heute Abend ein Büchlein mit Gedichten von Ferlinghetti gekauft. Eins davon hab ich für Euch abgetippt, es gefällt mir gut, soweit ich es verstehe. Ferlinghetti lebt in North Beach und sieht noch alle paar Tage im Laden nach dem Rechten.

In einer der Seitenstraßen beginnt die Rotlicht-Meile von San Francisco.

The Changing Light

The changing light at San Francisco
is none of your East Coast light
none of your
pearly light of Paris.
The light of San Francisco
is a sea light
an island light.
And the light of fog
blanketing the hills
drifting in at night
through the Golden Gate
to lie on the city at dawn.
And then the halcyon late mornings
after the fog burns off
and the sun paints white houses
with the sea of light of Greece
with sharp clean shadows
making the town look like
it had just been painted.
But the wind comes up at four o’clock
sweeping the hills.
And then the veil of light of early evening.
And then another scrim
when the new night fog
floats in.
And in that veil of light
the city drifts
anchorless upon the ocean.

Album: Columbus Avenue

Freitag, 27. Juli 2007

Ben Billmann ist geboren!!!!


Das Blumenbild ist für die Eltern von Ben, Christine und Hajo in Bielefeld! Herzlichen Glückwunsch!! (Hoffe, das Pink geht durch, wo Castro so nah ist?)

Für alle, die demnächst eine USA-Reise vorhaben, hab ich die Visa-Bestimmungen zusammengefasst (ich war heute nur im Netz, weil ich hier völlig am Rad drehe!!):

Der Spirallo-Reiseführer im Falk Verlag „Kalifornien“ stellt nur fest: kein Visum nötig.

Der San Francisco-Führer von Dorling Kindersley von 2007 ist etwas ausführlicher:
Deutsche, Österreicher und Schweizer nehmen am Permanent Visa Waiver Programm der USA teil, d.h. sie dürfen als Urlauber oder Geschäftsleute im Regelfall bis zu einer Dauer von 90 Tagen ohne Visum einreisen.

Mit der Info aus dem zweiten Führer bin ich in ein USA-Spezial-Reisebüro in Bremen gegangen. Dort bekam ich die Auskunft: dann müssen Sie bald nach Einreise auf die Immigranten-Behörde gehen und müssen dort die Erweiterung Ihres Aufenthalts über 90 Tage beantragen. Das machen Sie dort.

Auf der Website des US Konsulats in Frankfurt und auf der vom Auswärtigen Amt Berlin steht folgendes:

• USA-Reisende brauchen einen Reisepass und ein Rückflug-Ticket. Wenn der Pass nach dem 10. Okt. 2006 augestellt ist, muss er biometrische Daten enthalten (spezielles Foto!). Soweit, so gut!
• Mit einem Pass darf man ohne Visum bis zu 90 Tagen einreisen. Man nimmt am Visa-Waiver-Programm teil. Der Waiver ist im Land nicht verlängerbar! - Ha!
• Durch kurzfristiges Ein- und Ausreisen nach Mexiko, Canada oder in die Karibik kann der Aufenthalt mit einem Waiver nicht verlängert werden.
• Eine gesetzliche Regelung, wie oft und innerhalb welcher Zeiträume das Waiver-Verfahren genutzt werden kann, besteht nicht. Sofern jedoch nur kurze Abstände zwischen den USA-Aufenthalten liegen, sollte sofort ein Visum beantragt werden.
• Als Visum für 3 – 6 Monate kommt das B-2-Touristen-Visum oder das B-1-Business-Visum in Frage. Es wird beim US-Konsulat in München, Berlin oder Ffm beantragt und ist mit einem persönlichen Interview und 7 – 10 Werktagen Wartezeit verbunden. Der Zweck des Aufenthalts muss dargelegt und begründet werden. Eine verwandtschaftliche und finanziell-arbeitsmäßige Bindung an Deutschland muss nachgewiesen werden. Gleichzeitig müssen Geldmittel für die Dauer des Aufenthalts in den USA nachgewiesen werden.
• Das B-1-Visum für Business berechtigt zu Markt-Recherchen, Messe- und Kongress-Besuchen oder Geschäftsterminen mit Partnern in den USA. Nicht zum Arbeiten für einen US-Arbeitgeber!
• Das B-2-Visum für Touristen erlaubt in keinem Fall das Jobben oder Arbeiten in USA, auch keine Freiwilligen-Tätigkeiten.
• Das H1-B-Visum berechtigt zum Arbeiten in den USA. Ein US-Arbeitgeber stellt den Antrag und muss nachweisen, dass er keinen amerikanischen Bewerber findet.
Bis zu 6 Jahren Aufenthalt möglich. Häufig in IT-Firmen für Programmierer angewandt, als Vorstufe für die Greencard (dauerhafte Einwanderung).
• Das I-Visa for the Media Professionals berechtigt Journalisten und Medienschaffende, auch Freelancer, zu 12 Monaten Aufenthalt und Recherchen, sofern nicht für einen US-Arbeitgeber gearbeitet wird, jedoch für eine deutsche Medien-Firma oder –Anstalt.

Alles andere sind Visa für junge Leute, Au-Pair-Mädchen, Trainees, Studenten, Austausch-Schüler. Oder für Top-Manager, Stars, namhafte Künstler, Wissenschaftler.

Ich versuche entweder einen zweiten Visa-Waiver oder ein B-2-Visum zu bekommen.

Donnerstag, 26. Juli 2007

Wegen Visum im August nach Deutschland zurück


Ich war auf der Immigranten-Behörde, um meinen Visa-Waiver zu erweitern. Erfahre, dass ein Waiver nicht über 90 Tage erweiterbar ist. Das ist mein zweiter Tiefpunkt in dieser schönen Stadt! Fühle mich bescheuert, da kann ich noch soviel auf das USA-Reisebüro in Bremen schieben. Rechtsanwalt von Klaus sagt: Kaufmann muss Beratung prüfen. Paff!
Fliege am 7./8. August zurück und Ende August wieder her.
Hab mir bewusst heute einen Downtown-Tag gegönnt, mit Sonne und Essen gehen und Kaffeetrinken. So war mein Tag - viele gemischte Gefühle:

6:23 Blick auf den Wecker
6:32 Fahre Notebook hoch, noch keine Antwort vom American Dream Team aus Berlin
7:05 Frau Gessner (Berlin) am Apparat. Ab 19. Aug. gibt es beim Konsulat in Ffm Interview-Termine. Sie macht für mich einen. Für ein B-2-Visum (6 Monate).
7:15 John steht im Nachthemd hinter mir, grimmig. Ich solle nie mehr nach D. telefonieren!
7:30 Beantworte 7 Mails und schreibe eine Rechnung über 3.000 EUR nach Graz.
10:30 Sitze im Muni-Train Richtung Downtown.
11:30 Checke das Hi-Hostel in der City und reserviere Bett in Vierer-Zimmer für Robert.
11:50 Vor-Ort-Termin in einem düsteren Hotel in Hyde Street. B-Movie 20-er Jahre!
12:10 Termin im Harcourt-Hotel, für Werner, Larkin Street, zentral, reserviere vor.
12:25 Klaus ruft an, hat mit Anwalt gesprochen, berät mich. Toll!
12:35 Die Sonne! Laufe California Street abwärts, setze mich in Grace Cathedral. Spüre, wie gut mir tut, dass ich mich auf Klaus verlassen konnte.
13:40 Wieder Mal blauer Himmel hier unten. Laufe Sacramento Street runter.
13:45 Finde den China-Imbiss im Financial District, esse Chicken süß-sauer. Schlafe ein.
14:45 Wache auf, verlasse das leere Lokal. Halte nach 200 m an der Ecke Montgomery an.
15:00 Sitze unter Arkaden in einer Straßenschlucht, trinke starken Kaffee.
Lese, träume, lese… in meinem Roman …
„In hospital I brought back some memory: not of conversations we had had, but of moments we had shared in silence.” Er erinnert sich an seine Frau, die ihn verlassen hat. - An einem grauen Nachmittag in Wien, auf der Rückfahrt von Schloss Schönbrunn hast Du Deinen Kopf an meine Schulter gelehnt und hast lange geschlafen. - Was ist nur mit uns? Bin traurig.
16:00 Beobachte die in Grüppchen Vorbeilaufenden. Wahrscheinlich Angestellte aus den Bürotürmen in Montgomery und Sutter. Ich würde hier mit jedem zweiten Krawattenträger ein Bier trinken gehen. Freundliche und offene Gesichter, glaubt mir sicher keiner! San Francisco ist anders als Frankfurt. Anders als der Rest von Amerika. Immer wieder: eine Traumstadt!
18:47 Höre im Subway einem farbigen Saxophon-Spieler zu und werfe einen Dollar in
seinen Instrumenten-Koffer.
Album: Gemischtes am 26. Juli

Dienstag, 24. Juli 2007

Thema #1: Social-networking


Was 1939 mit William Hewlett und seinem Studienfreund David Packard in einer Garage ihrer Eltern begann, ist heute Sillicon Valley. Spin-offs der Standford University in dem netten Örtchen Palo Alto im Süden der Bay-Area sind heute Unternehmen, die die Welt gerade tüchtig verändern. Google, Yahoo, AOL, Apple, Microsoft sitzen 30 - 60 Minuten südlich von San Francisco in einem netten Tal um San Jose und Palo Alto.

Andrea hatte zu www.craigslist.org gepostet: der typ (Craig Newmark) ist unglaublich und der erfolg mit seinem projekt ist irgendwie auch eine 'typisch amerikanische story'... Hier nochmal der Link:
http://www.dld-conference.com/2006/11/craig_newmark.html.

Heute steht die Erfolgsstory von Catherine Cook(17) und ihrem Bruder David(18) aus San Francisco im Chronicle. Catherine geht noch aufs College. Mit 15 hat sie angefangen, von zuhause aus eine social-networking-site namens MyYearbook für Teenager aufzubauen http://www.myyearbook.com. In MyYearbook kann man sich mit Bild auf einer eigenen Seite darstellen, an Privat-Video-Ausscheidungen teilnehmen, mit anderen konkurrieren um den Titel „best-dressed person“ usw. Eine Art BRAVO, wie wir sie kannten – nur von den Mitgliedern selbst gemacht, mit sehr viel Kommunikation.

Die ersten Seiten hat ihr Bruder programmiert. Sie haben T-Shirts bedruckt mit MyYearbook, in den ersten zwei Wochen kamen 200 Mitschüler von der Highschool auf die Seite. Dann hat der ältere Bruder Geoff(28), auch im Internet-Geschäft, die ersten 250.000 Dollar investiert. Damit haben Catherine und David Programmierer in Indien beauftragt. Sind abends länger aufgeblieben und haben ihre Papier-Entwürfe nach Indien gefaxt. Im Juni 2007, zwei Jahre später, hat Catherine 3.3 Millionen Besucher auf ihrer Site gehabt. Das sind die Erfolgsgeschichten, von denen Andrea spricht!

80% der 18 bis 21-jährigen Amerikaner und Europäer sind Mitglieder von social-networking-sites. Längst gibt es solche networking-Sites auch für Ältere.

Ich bekam gestern in der virtuellen Welt von XING, wo ich Mitglied bin, von meiner 22-jährigen Nichte Ellen (werdende Hotel-Kauffrau) folgende E-Mail: Hi Frank, wusste gar nicht, dass Du auch hier bist. Ist ja nett, wie geht’s dir so in USA? Komme ja auch bald rüber. Liebe Grüße….
Mein PC fragt dann: Ellen Drecoll möchte Sie als ihren Kontakt hinzufügen. - Bestätigen?

Ich überlege kurz: Die Tochter meiner Schwester will mich als ihren Businesskontakt zu ihren Kontakten hinzufügen. Worauf kann das hinauslaufen? Hat das schwerwiegende, irreversible Konsequenzen für unsere Beziehung Onkel - Nichte, Nichte - Onkel? Ich beschließe, die Sache entspannt zu sehen. Immerhin, je mehr Kontakte sie kriegt, umso höher ist ihr sozialer Aktivitätsindex(in %) auf ihrer XING-Page!

Ich klicke also auf JA. Ist ja so leicht. Die Familie ist jetzt endlich auch virtuell vernetzt :-)

Sonntag, 22. Juli 2007

Filmnacht in Dolores Park


Unter sternenklarem Himmel in Dolores Park hab ich heut Nacht mit bestimmt 3000 Leuten den Kultfilm Sixteen Candles gesehen.

Nach 9 p.m. war die Sonne endlich untergegangen und die Filmnacht konnte starten.
Fünf junge Männer, eine junge Frau und ein Hund kreuzten hinter mir auf. Breiteten Decken aus und luden mich ein, mich mit draufzusetzen. Wir waren schnell im Gespräch. Als es bei Sonnenuntergang kühl wurde, lehnten sich die vier Jungs eng aneinander. Das Mädel duckelte sich von hinten an die Jungs an und schien zu genießen, dass sie von keinem als Frau beachtet wurde. Der Hund legte sich glücklicherweise zu mir, und wir beide wärmten uns.

Sixteen Candles muss 1984 ein Riesenerfolg gewesen sein. Als sogen. coming-of-age-Film, in dem drei junge Leute unter Leiden erwachsen werden, fing er die Jugendkultur der Achtziger ein. Ein frecher, witziger Film, konnte gut ablachen.
Album: Filmnacht im Dolores Park

Mittwoch, 18. Juli 2007

SFMoMa - Museum of Modern Art


Hingegangen war ich, um mir eine Ausstellung von Matisse anzusehen. Und hängen geblieben bin ich an den amerikanischen (abstrakten) Expressionisten Jackson Pollock, Joan Mitchell und den Pop Art Leuten, die ich ja 1972 auf der Documenta in Kassel alle gesehen hatte: Andy Warhol, Robert Rauschenberg, Jasper Jones.

Und die Schwarz-Weiß-Fotografie, amerikanische, europäische, japanische, deutsche, ist ein dickes Kapitel im SFMoMa! Mir selbst macht das Fotografieren immer mehr Spaß.

In den Ausstellungsräumen ist Fotografieren ja verboten. Also hab ich mich auf das Gebäude, innen und außen, gestürzt. Ein Kunstwerk für sich, fand ich.

Hier die Website des SFMoMa: http://www.sfmoma.com/
Album: SFMoMa

Montag, 16. Juli 2007

Leichtes Marihuana okay


Seit Freitag hüte ich das Zimmer und kuriere eine Bronchitis mit Antibiotika aus.
Die ganze letzte Woche schon arbeite ich an meinen Aufträgen, gestern hab ich den zweiten weggeschickt, Kohle muss ja weiter eingefahren werden…

Robert und Werner kommen im September, nacheinander. Und Klaus kommt für ca. 10 Tage im Oktober. Das werden völlig andere Zeiten hier! Heut Abend, mit Tabletten im Kopp, schreib ich da jetzt nix Großes zu. Ich weiß aber eins, ich hab mich wahnsinnig gefreut, als Ihr Jungs alle drei zugesagt habt zu kommen! Wir werden hier ne superschöne Zeit haben!!

Heut hab ich schon mal nach einer Wohnung mit zwei Schlafzimmern für den September gekuckt. Wohnungs- und Zimmer-Vermietung innerhalb der Stadt läuft v.a. online, über die Craigslist: www.craigslist.org.

In der Rubrik sublet – temporary (vorübergehende Unvermietung) annoncieren Studenten und Wohnungsbesitzer, die den Sommer über die Stadt in Richtung Europa oder Osten der Vereinigten Staaten verlassen – z.B. weil es ihnen hier zu kühl ist.

In craigslist zu lesen ist Unterhaltung pur!
Da gibt es die cat-sitter. Die bekommen das Zimmer zum halben Preis. Und müssen dafür die immer irgendwie schwierige Katze bei Laune halten.

Ausgesprochen differenziert wird das Thema Drogen und Party verhandelt.
Da heißt es z.B.: no drugs please – light pot okay. Was soviel bedeutet wie: leichtes Marihuana ist bei den andern Hausgewohnern gern gesehen und gehört sogar zum guten Ton.
Hardliner weisen sich so aus: no drugs – no parties!!! Die softere Variante ist schlimmer: Party ist okay, sehr sogar, wir lieben selbst auch Parties – aber bitte nicht in unserm Haus und nicht nachts.
Ein großes Thema v.a. in Mission und Castro, wo die netten Leute wohnen, nennt sich „Drama“: We are looking for a drama free person.

Ich zahle $ 800, also etwas mehr als 600 EUR für 10 qm mit Bad. Hier ein paar Links mit teureren accomodations:

Union Square, 1 Schlafzimmer, 1450 Dollar
http://sfbay.craigslist.org/sfc/sub/372375363.html

Noe Valley, 1 Schlafzimmer, Wohnzimmer, Küche, Bad, 2000 Dollar
http://sfbay.craigslist.org/sfc/sub/372645319.html

Suite im Financial District, 2800 Dollar
http://sfbay.craigslist.org/sfc/sub/372956439.html

Nob Hill, Appartment, 1 Schlafzimmer, 5000 Dollar
http://sfbay.craigslist.org/sfc/sub/372567336.html

Nob Hill, View Tower, 2 Schlafzimmer, Wohnzimmer, 7200 Dollar
http://sfbay.craigslist.org/sfc/sub/372559417.html

Freitag, 13. Juli 2007

Wirklich amerikanisch


Hier meine Liste der 10 amerikanischsten Dinge:

1. Ohne ein ‚How are you doing? – Thanks, fine, and how are you?’ geht nichts! Deutsche Ansagen wie „Good morning, I want to pay the gas.” oder ähnliches stoßen auf basses Erstaunen. Im Englischen heißt das: to make rapport. In Beziehung treten.

2. Wer sich am Tresen ein schnelles Bier bestellt und die 2 Dollar 50 sauber abgezählt auf den Schanktisch legt, braucht sich nicht wieder blicken zu lassen: mind. 15% Tipp sind fällig, da sogar Barkeeper i.d.R. kein Gehalt bekommen.

3. Wer Tabletten braucht und in die Apotheke geht, muss sich vorher mit allen Stammdaten schriftlich registrieren lassen. Bearbeitung: 15 Minuten.

4. Etwa 10 bis 20% eines Arzthonorars zahlt man selbst – vorausgesetzt, man ist überhaupt versichert. Menschen ohne Versicherung gehen in Armenhospitäler, wo bis zu 10 Stunden Wartezeit anfallen und auf dem Flur geschlafen wird.

5. Bei MacDonalds gibt es ein festes One-Dollar-Menü: Cheeseburger für $1.09 und Small Fries(Pommes) für $1.09. Das ist mein Notfall-Essen :-)

6. Change ist das begehrteste Gut in der Stadt. Niemand gibt Geld raus. Ohne Quarters kann man nicht Bus oder U-Bahn fahren, nicht telefonieren, nicht Schwimmen gehen, nicht aufs Clo.

7. Einen Bagel oder ein Bier mit Kreditkarte zu bezahlen, ist üblich. Alles läuft über Credit-Card.

8. Im Supermarkt an der Kasse wird der komplette Einkauf vom Kassierer verpackt. Vorausgesetzt, Du hast das Spiel ‚How are you doing today? Oh fine!! – And how are you?’ mitgespielt. Sonst kannst Du Deinen Scheiß selbst einpacken.

9. Ich hab seit meiner schweren Kindheit :-) nicht mehr so viel freundlich gelacht wie hier! Ein absolutes Muss! Die härtesten Mutterschänder, Hells Angel-Mitglieder, Anwälte oder Businessleute lächeln erst breit, werden dann ernst - und sprechen. Keine Chance für Männer aus Männergruppen, die beschlossen haben, nie mehr zu lächeln. Also Jungs!

10. Mein Empfinden ist: Mut wird hier belohnt! Zwei Beispiele: Jemand, der sich schnell zeigt, offen ist, trifft auf freundliche und offene Gesichter. Jemand, der etwas auf der Straße vorführt, findet immer interessiertes Publikum. Gefällt mir.

Mittwoch, 11. Juli 2007

Erfahrung


Heute Nacht habe ich Jean Warmbolds Nahost-Thriller „Der arabische Freund“ zu Ende gelesen. Das spannend geschriebene Buch ist für mich aus ganz anderem Grund ein Leseerlebnis. Ich hab Jean inzwischen etwas kennen gelernt. Für mich hat sie viel von ihrer Protagonistin, der Journalistin Sarah Calloway aus San Francisco, die nach Paris kommt, um über die Zweihundertjahrfeier der französischen Revolution zu berichten, die Tagebücher der Isabelle Eberhardt auf einer Auktion zu ersteigern. Und die dann immer tiefer in das mörderische Gewirr von Geheimdiensten und Terrorgruppen hineingezogen wird.

„Ich habe angefangen, das Eberhardt-Tagebuch zu lesen“, hörte ich mich schließlich sagen, um die Stille zu durchbrechen. „Es ist … also, ich find’s wunderschön.“ (…)
„Wie erklären Sie sich aber die ganzen Widersprüche in ihrem Leben?“, fragte ich, als der Tisch abgeräumt war und unser Espresso kam.
„Welche Widersprüche meinen Sie?“
„Die Trinkerei. Das Kifrauchen. Der Gelegenheitssex. Wie passt das alles zu ihrer mystischen Seite?“
„Sagen Sie mir eins, Mademoiselle“, meinte er und fuhr mit dem Finger sanft am Rand seiner Tasse entlang. „Wer ist berechtigt, uns zu sagen, wo man Gott finden kann und wo nicht?“

„Es gibt eine Sufigeschichte über einen Wahrheitssuchenden, der den Großen Berg besteigt, um den weisen Mann zu befragen. ‚Oh weiser Mann’, fragt er, als er dem Seher gegenübersteht, ‚was ist das Geheimnis des Lebens?’ – ‚Gutes Urteilsvermögen!’ antwortet der Weise prompt. ‚Aber sage mir, oh weiser Mann, fragt der Wahrheitssucher, ‚wie erlangt man ein gutes Urteilsvermögen?’ – ‚Durch Erfahrung!’ antwortet der Weise. ‚Dann sage mir, oh weiser Mann’, fragt der Wahrheitssuchende, ‚wie erlangt man diese Erfahrung?’ – ‚Durch schlechtes Urteilsvermögen!’ erwidert der Weise.

Bitte! Wir müssen doch zugeben, dass Isabelle bei all ihrem ‚schlechten Urteilsvermögen’, das sie in ihrem kurzen und abenteuerlichen Leben gezeigt haben mag, trotzdem niemals vor Erfahrungen zurückschreckte. Und um nichts anderes als Erfahrung geht es ja auch in unserem Leben. Darin würden Sie mir doch zustimmen, nicht wahr?“
„ Ich denke schon … ja.“
„Das hatte ich mir gedacht“, bemerkte er und betrachtete mich amüsiert, während er mit der Gabel Linien auf der Tischdecke nachzog. „Ich betrachte Sie als einen Menschen, der sich nach Erfahrungen sehnt, wenn ich dieses Wort benutzen darf. Ein Mensch, der hinter jeder Ecke eine neue Begegnung, ein neues Abenteuer, eine neue Affäre sucht. Stimmt das?“

Ich antwortete ihm nicht sofort. War ich denn wirklich so leicht durchschaubar?
(Aus: J. Warmbold: Der arabische Freund, Ffm: Eichborn, 1992, S. 40 - 43)

Dienstag, 10. Juli 2007

Takes my breath away


Tuck and Patti ist meine musikalische Entdeckung hier, die ich gern weitergebe.
Sie waren die letzten, die in Esalen abends gespielt haben, bei Sonnenuntergang.
„Takes My Breath Away“ mag ich ganz besonders.

Hier sind die 12 schönsten Lieder mit Hörproben bei Amazon.com.

The Best of Tuck and Patti (1998)

http://www.amazon.com/gp/recsradio/radio/B000000NKH/104-1051161-3337545?volume=9

Love is the key
Take it from me
Show your love

Love is the key
You've got to believe
Show your love

Love is the key
Listen to me
You got to show your love

Album: Tuck and Patti

Montag, 9. Juli 2007

Hypothesen testen - und dabei Englisch lernen


Man sagt immer: Wenn du die Sprache richtig lernen willst, dann geh' für eine Zeit ins Land und leb' da.

Stimmt! Kann ich bestätigen.
Und zwar geht das so...

John klopft und ruft: Fränk!
Ich: What?
John: Fränk, your food gets spoilt, you should get it in the fridge. I won't sit with you in the hospital and hold your hand.

Das Sprachzentrum meines Gehirns beginnt fieberhaft John's Wörter zu scannen. Alles bekannt, mit Ausnahme von spoilt! Was verdammt ist spoilt? - Großhirn beginnt Hypothesen zu bilden: Was könnte John meinen mit food and hospital? - Aha!! Essen machen Magen krank! Spoilt bedeutet dann sowas wie: vergammelt, schlecht geworden, umgekippt, verdorben, sauer, faulig, am möpseln. Irgendwas davon.

Ich schlage mein Dictionary auf und teste meine Hypothese. Tatsächlich! To spoil = schlecht werden, verderben.

Samstag, 7. Juli 2007

Was ich am Motorrad-Fahren so liebe…



Es ist kurz vor Mitternacht und ich surfe seit Stunden durch Reiseblogs, in denen Männer von ihren Motorradtraumreisen berichten. Zwei amerikanische Brüder schreiben nach einem Trip mit BMWs: „It was truly the ride of a lifetime. We wish every man in America could have a week like the one we had, so they can feel how it feels to be truly living life.” - Das finde ich sehr romantisch.

Das ist Männerromantik vom wilden und unabhängigen Leben. Von einem langen Ritt. Und es stimmt: Motorräder haben etwas von Pferden. Man muss sich mit ihnen einig sein, sonst geht garnichts.

Was geht mir eigentlich beim Motorradfahren so unter die Haut?

Meinen ersten Tagebucheintrag hab ich auf Kreta 1997 dazu geschrieben. Das weiß ich, ohne nachzusehen. Ich fuhr ohne Führerschein, ohne Helm und Handschuhe. Und ich war süchtig nach dem Gefühl, mit der kleinen Suzuki 250 - oder was das auch immer war - die steile Straße hinter Plakias hoch zu gehen. Das war ein so unbeschreiblich schönes Gefühl! Die Straße hatte ich mich einen Tag vorher zu Fuß hochgequält. Und sie ist wirklich steil, mit sehr engen und steilen Innenkurven. - Ich kriegte nicht genug und fuhr immer wieder runter, um nochmal hochzufahren. Ein Kraftgefühl: gut festhalten, rechts Handgas aufziehen, Schenkeldruck, um drauf sitzen zu bleiben. Körpergefühl und Geschicklichkeit. Herrlich!

Hochfahren ist schöner als runterfahren. Das geht mir heute noch so. Auf dem Rückweg von Monterey nach San Francisco bin ich durch die Santa Cruz Mountains gefahren. Wolfgang Taft hatte mir auf der Karte eine extrem kurvige Schleife durch die Redwoods markiert. Zehn Minuten den Berg hoch und zehn Minuten wieder runter. Eine feste saubere Asphaltdecke ohne Sand. Kurve an Kurve. Und die Fahrbahn so schräg, dass ich mich richtig zur Seite legen, das Innenknie von der Maschine weghalten und damit navigieren konnte.

Ich liebe den Augenblick, wenn ich aus einer Rechtskurve mit voller Schräglage in eine Linkskurve wechsle und die Schräglage tausche. Das ist wunderbar! Die BMW, die ich hatte, ist so schwer, dass ich sie bei ausgestelltem Motor am Hang nicht halten kann. Auch wenn ich mich mit meinem Zwei-Zentner-Körper dagegen stemme. Doch aus der Bewegung heraus bergauf wird die Maschine leicht wie eine Feder. Mit dem Schub aus der Rechtskurve wirfst Du die Maschine nach links...

Vom Schwingen auf der Skipiste kenne ich ein ähnliches Gefühl. Und die Gefahr liegt da, wo ich immer ein bisschen über meine Grenze gehen möchte. Klar, dass ich nicht den Bruchteil einer Sekunden chillen darf. Sonst hänge ich eine Sekunde später irgendwo im Wald, um einen Baum gewickelt. Das Adrenalin steigt mit der Gefahr.

Und da sind wir bei einem weiteren Punkt, den Motorradfahren für mich ausmacht: es macht mich entweder 100% lebendig und wach, oder ich stelle den Motor besser wieder ab. Motorradfahren heißt für mich, mit jeder Faser das Leben zu spüren.

Sinnlich geht es auch zu, wenn ich an die herrlichen Gerüche denke!
Kreta ist im Frühling eine einzige Gewürzküche. Majoran, Rosmarin und tausend andere Gerüche, die ich nicht kenne und nicht näher beschreiben kann. Aber im Schlaf wieder erkennen würde.
Hier in Amerika sind die Gerüche andere. An der Küste rieche ich den salzigen Nebel. In den Redwoods duftet es nach feuchter Erde und Rinde. Wie Mulch. Und zwischendrin sind sehr dominant die würzigen Eukalyptus-Bäume. Eine Mischung aus Harz und Terpentin.

Wunderbar fühlt sich rauer Asphalt an. Der ganze Körper vibriert davon. Und die Vibration des Motors kommt noch dazu. Wenn ich den Motor ausstelle und absteige, gehe ich anders, das steht mal fest! Ein bisschen John Wayne, da wären wir wieder bei der Cowboy-Romantik. Mehr Eier in der Hose. Und das ist nicht nur eine Frage der Vibration.

Denn die innere Überwindung und Mut stehen am Anfang jedes größeren Ritts. Die Gedanken kreisen dann um Technik, Bremsen, Verkehr. Und natürlich, ob ich selbst in optimaler Verfassung bin, ausgeschlafen, mich in meinem Körper wohl fühle. Wenn ich mich in meinem Körper nicht wohl gefühlt hätte, wäre ich in keinem Fall diese twisty little roads in den Redwoods gefahren.

Ich brauche das ab und an: meinen Mut unter Beweis stellen. Vor allem vor mir selbst. Aber ich mag es auch, wenn meine Frau oder mein Freund sich Sorgen um mich machen und warten, bis ich gesund von meinem Ritt zurückkomme.

Freitag, 6. Juli 2007

Auf dem Highway No. 1 nach Süden



Bin wieder zurück! Hier mein Bericht.

Die BMW hat fast 1200 Kubik Hubraum und ist damit fast doppelt so kräftig wie meine Transalp. Gemietet bei Dubbelju Motorcycle Rentals. Wolfang, der Inhaber ist ein sehr hilfsbereiter und offener Stuttgarter in meinem Alter, der vor 16 Jahren sein Geschäft in S.F. aufgemacht hat (www.dubbelju.com).

Dienstag, 03. Juli: Fahrt bis Monterey
Hinter der Stadtgrenze in Richtung Süden finde ich auf Anhieb die Zufahrt zu dem legendären Highway No. 1. Die Pazific-Küste liegt in dichtem Nebel. Meine Knie sind kalt. Ich halte an einem Aussichtspunkt, an dem man heute nicht viel sieht, binde mein gelbes Halstuch um und ziehe den Reißverschluss meiner Jacke zu.

In dem Moment wird mir bewusst: mein Traum erfüllt sich! Ich fahre den Highway No. 1 die amerikanische Westküste runter nach Süden.

Das ist ein Film, der lange vor meinem inneren Auge abgelaufen ist. Ein schönes und starkes Gefühl, den eigenen Film gewissermaßen zum Leben zu erwecken. Und bestimmt eine Erfahrung, die über diesen bloßen Glücksmoment hinaus etwas in mir verändern wird. Ich denke, es hat etwas mit Kraft und persönlicher Energie zu tun. Das eigene Leben in die Hand zu nehmen, statt sich "vom Schicksal herumschieben" zu lassen - darum geht es glaube ich. - Wird mich noch eine Weile beschäftigen...

Drei Stunden später, kurz vor Monterey, wo Steinbeck seinen Roman „Die Straße der Ölsardinen“ schrieb, halte ich an einem Roadhouse an und esse thailändische Nudeln. Der Ort heißt Santa Cruz. Mein Tischnachbar, ein tätowierter Typ in den 40ern spricht mich an, und wir reden über das scharfe Essen. Schön!
Ich fahre weiter. Inzwischen knallt die Sonne. US-Biker grüßen sich übrigens, wie die Biker in Europa.

Um fünf nachmittags komme ich in Monterey an, checke in meinem Motel für die Nacht ein. Sehe ein paar Jungs am Hafen beim Angeln zu. Finde dann einen einfachen Fisch-Imbiss. Esse für wenige Dollar Calamari mit Fritten, schreib dabei Tagebuch. Bin nett zu der Kellnerin, kriege dafür ein Lächeln.


Mittwoch, 04. Juli: An der Felstküste von Big Sur
Aufbruch für die letzten anderthalb Stunden nach Big Sur. Der Nebel über der schroff abfallenden Felsküste ist so dicht, dass ich die Brücken nicht mal sehe, über die ich fahre. Bix Bridge z.B. steht 200 m tief auf Stelzen in einem Canyon. Nichts davon zu sehen!

Mitten im Nebel blinkt plötzlich meine Tankleuchte gelb auf: nur noch eine halbe Gallone Benzin! Ich seh am Straßenrand einen Harley-Fahrer, halte an und frage ihn nach der nächsten Tankstelle. Er rät mir umzukehren nach Monterey. Big Sur sei unsicher, was Benzin angeht. „Ride save!“, ruft er mir hinterher.

Beim zweiten Anlauf reißt der Himmel auf. Nebeltücher stürzen in die Tiefe. Extremer Wind! Ein Natur-Schauspiel. Und da, wo der Himmel kurz blau wird, sehe ich über viele, viele Meilen die zerklüftete, legendäre Westküste von Big Sur. Da steht Kreta doch ein Stückchen zurück. So schön, wie Kreta ist.

Esalen
Was mich auf dem Esalen-Gelände sofort gefangen nimmt, ist der Blick von hieraus auf den Pazifik. Der Nebel hat sich komplett verzogen. Und unterhalb des Seminarhauses liegt eine saftige grüne Wiese wie eine natürliche Terrasse überm Ozean und gibt dem Blick etwas Festliches.

„Esalen – America and the Religion of No Religion“ lautet der Titel eines gerade erschienenen Buchs über die Geschichte von Esalen, die ich in der Bücherei im Seminarhaus finde. Der Bogen spannt sich über 50 Jahre, von Henry Miller und Aldous Huxley, über Freud und Fritz Perls, dem Erfinder der Gestalttherapie, bis zu zen-buddhistischem Gedankengut in der neueren Zeit.

Draußen toben Kinder übers Gelände, Paare flanieren und schauen aufs Meer. Grüppchen „weiser Frauen" mit bunten Kleidern lachen zusammen. Eine sehr lebendige und sehr gelöste, meditative Atmosphäre!

Das International Arts Festival 2007
Dann beginnt die Parade. Amerika und seine Umzüge - selbst in Esalen nicht zu stoppen! Vier junge mexikanische Tänzerinnen in gelb-rot-grünen Trachten führen den Zug an. Es folgen die Trommler. Hinter ihnen verkleidete Kinder mit japanischen Sonnenschirmen. Ein dürrer Afrikaner in weißem Gewand und schwarzem Zylinder führt die Kinder an und bläst im Rhythmus zu den Trommeln auf der Trillerpfeile. Irre! Der Zug umkreist die Festwiese mehrmals.

Wir sitzen auf Decken vor der Bühne. Die afrikanischen und amerikanischen Bands spielen bis zum Sonnenuntergang. Sie beziehen uns ein. Eine 60-Jährige baggert mich an, stellt sich als Rechtsanwältin vor. Sie geht mir auf den Zeiger, als sie mich überreden will, sie für "schöne Stunden" in ihren Villen in Idaho, San Diego oder Mexiko zu besuchen. Ich finde leider den Absprung etwas spät.

Bevor ich aufbreche, begleitet ein weißer Musiker gerade eine schwarze Soul-Sängerin auf seiner Stahlseiten-Guitarre. Er holt aus seinem Instrument so unglaubliche Klänge! Ich bin völlig begeistert!

Ich fahre in der glutroten Dämmerung ein paar Meilen die Küstenstraße wieder nach Norden. Frage einen Freak an einer Tankstelle nach Fernwood-Camping und krieche – nach einem Heineken und einem Snickers – in mein gemietetes Zelt mit Schlafsack.

Donnerstag, 05. Juli: Kurvenfahren im Redwood-Forest
Rückfahrt nach San Francisco Donnerstag früh. Die Tour führt diesmal durchs Landesinnere, fünf Stunden durch die heißen Santa Cruz Mountains. Ich fahre enge Serpentinen durch hohe Redwood-Wälder! Treffe einen Honda-Fahrer und fahre mit ihm eine Stunde gemeinsam kurvige Straßen, herrlich!

Kurz vor San Francisco sticht mich eine Biene in die linke Augenbraue.
Zur Zeit seh ich aus, als hätt ich auf der Mission-Street einen "Fight" gehabt.

Album: Big Sur und Esalen

Sonntag, 1. Juli 2007

Langsam geht was...


Ich finde es aufregend rauszufinden, wie die Leute hier ticken. Deshalb investiere ich viel, mit „meinen Leuten“ hier auszukommen. Wenn John manchmal etwas mütterlich ist (heute hat er mir Apfel-Juice gekauft), und ich merke, dass es seine Art ist, mit jemandem klar zu kommen, dann nehme ich ihn so. Soll ich ihn mit 73 erziehen?
Meine Beziehungen zu John, Jeanny, Carlos, Joyce, Marius, Gioia und Don hüte und pflege ich wie Schätze.

Dabei werd ich nicht versäumen, auch durch die Gegend zu reisen. Für Dienstag bis Donnerstag hab ich mir eine BMW R 1150 GS gemietet, um 4 – 5 h nach Big Sur zum Esalen Center zu fahren (Tipp von Monika). Werd einmal in Monterey und einmal in Big Sur übernachten.

Ms. Jean Warmbold, alias Jeanny hat mir heute eher beiläufig gesteckt, dass sie vier Thriller veröffentlicht hat. Einer ist in sechs Sprachen übersetzt. Im Deutschen: Der arabische Freund, erschienen im Eichborn-Verlag, 1992. Das meiste Geld bringt ihr jedoch ihr fünftes Buch, ein kritischer Video- und Filmführer für USA. Mmhh, sind Frauen eigentlich bescheidener als wir? Und ich hab geglaubt, sie wär ein alter Hippie und hätte immer nur in coffee shops Geschirr gespült. Shame on me! Fange heute Abend mit dem deutschen Titel an und werde berichten, wie er ist.