Zum ersten Mal Abschied-Nehmen von dieser Stadt.
Wie oft fühlt sich Leben so voll an?
John hab ich vorhin gesagt: Ich hab mich in die Stadt verliebt. Ich hab auch ein paar tolle Menschen kennen gelernt, aber verliebt hab ich mich in die ganze Stadt. Da lacht er und sagt, es wäre ihm aufgefallen, mit welcher Sorgfalt ich mir die Stadt erarbeitet hätte.
Er hätte seinen Freunden davon erzählt und hätte dafür Hochachtung. Die Stadt sei tatsächlich außergewöhnlich schön. – Als er das sagte, hatte ich den Eindruck, dass er das selbst längst vergessen hatte.
Euch danke ich von Herzen for companionship auf der ersten Etappe. Es hat mir, wenn ich mich einsam gefühlt habe, immer geholfen, dass ich schreiben konnte. Das war mein Versuch, mich auf einer Single-Reise mit Euch zu vernetzen. Natürlich ist das dünner, muss dünner sein, als das, was ich den vergangenen zweieinhalb Jahre in Bremen durch Vernetzung neu erlebt habe. Danke dafür!
Meine Texte sind keine spontanen, schnellen Notizen. Ich arbeite an Texten, das macht mir Spaß. Und das soll in meiner beruflichen Zukunft demnächst noch mehr Platz einnehmen.
Die Hauptbotschaft der Beatniks der 50iger ist: „Versuche so zu leben, als wären es die fünf letzten Tage in Deinem Leben!“ So singt es Janis Joplin. Alle, die in Otto-Gruppen gearbeitet haben, haben sich damit auseinander gesetzt. Den beruflichen Alltag mit diesem Prinzip zu verknüpfen, ist mit Sicherheit nicht leicht. Aber es gibt immer Wege, die man für sein Leben individuell finden kann, um aus dem Hamsterrad auszubrechen und sich dabei „am Leben zu halten“.
Ich war früher in mir so zerrissen und voller Unruhe, dass ich meine Lebensumstände konstant halten musste. Seitdem dieser Riss am Zuwachsen ist, werde ich meine Lebensumstände mehr und mehr in Bewegung bringen. Das ist für mich die wichtigste Einsicht der vergangenen neun Wochen.
Nach vier Wochen Alleinsein – der Beginn der vierten Woche war schrecklich - meldete sich ein Gefühl, als würden in meinem inneren Haus die Wände weiß getüncht. Es hat sich ein Raum geöffnet, den ich in Zukunft selbst gestalten will! Wahrnehmungen, Gefühle, Erinnerungen, alles zeichnet sich klar wie ein scharfer Schatten ab. Ich weiß in den letzten vier Wochen genau, was ich am Tag tun will, was ich nicht will, was ich fühle. Und v.a. was ich in den nächsten Jahren noch möchte.
In diesem Zustand gab es auch ein paar „magische“ Augenblicke, ein paar Momente des Glücks, wo ich z.B. beim Essen saß und mich über den weißen Reis beugte und mir unwillkürlich Tränen aus den Augen quollen. Vor Freude, wie Leben auch sein kann, vor Traurigkeit, wie kurz es ist. Weil der Moment, der gerade eine Sekunde zuvor verstrichen war, so dicht und lebendig war. Oder ich so intensiv im Kontakt mit jemandem oder etwas war, dass sich die Spannung durch Tränen gelöst hat.
Zwei Träume hab ich mir erfüllt: mit dem Motorrad auf dem Highway One die kalifornische Küste nach Süden zu fahren. Und einmal im Ausland zu leben und jeden Tag Englisch zu sprechen und so zu lernen. - Dafür bin ich dankbar.
Der Moment, in dem sich ein Traum erfüllt, ist weniger spektakulär, als ich vorher geglaubt hatte. Aber die Erfahrung macht stark. Mehr und Neues zu träumen.
Eine gute Erfahrung ist auch, allein sein zu können, ohne innerlich immer ängstlicher und kleiner zu werden. Darüber hab ich mich mit Ute ausgetaucht, die das ähnlich erlebt hat. Als ich nach drei bis vier Wochen einen Tiefpunkt mit Schlaflosigkeit überwunden hatte, durch die Einsamkeit durch gegangen war, ging’s bergauf und die Gefühle und Gedanken wurden stärker und klarer.
Jetzt freu ich mich erstmal, wieder mehr unter Menschen zu kommen. Soviel Zeit und Bereitschaft zur Beziehung haben die Leute hier auch nicht über. Schon gar nicht für jemanden, von dem man nicht weiß, wie lange er im Land bleiben darf und ob er nochmal wieder kommt. Am 17. August hab ich mein „Interview“ in Frankfurt beim US-Konsulat und ich hoffe, dass ich am 1. September wieder einreisen kann. Ob ich die Einträge im Blog dann wieder aufnehme, hängt auch von Robert, Werner und Klaus ab, die mich im September und in der ersten Oktober-Woche besuchen wollen. Wir werden das besprechen. Kuckt einfach am 2. September mal rein. Oder ich schreib 'ne Mail. Bis dahin.
Euer Frank
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| Album: Erster Abschied |




