Es ist halb eins nachts hier, ich komm gerade von meiner Einladung zurück. Zwölf Leute! Hab mich gut gehalten mit meinem Schul-Englisch. Jeanny und Ihr Flurnachbar Don Jacot waren Gastgeber.
Jetzt geht es auch weiter mit Kontakten hier in der Stadt.
Kennen gelernt hab ich heut abend ein italienisches Ehepaar, Gioia(62) und Fluvio Re(70) aus Padua, seit 20 Jahren in San Francisco. Sie waren gemeinsam von Padua über New York nach San Francisco gegangen, weil sie einen neuen Anfang machen wollten. Sie hatten Mitte der 80er-Jahre ihren 20-jährigen Sohn bei einem Verkehrsunfall verloren. Beide keine Liebhaber des Small-Talks, sondern sehr herzliche Menschen! Gioia Re leitet eine Sprachschule des italienischen Konsulats. Beide haben mir angeboten, mich jederzeit bei ihnen zu melden.
Mit einer Professorin für Kommunikation und Medien von der San Francisco University hab ich mich unterhalten. Interessant fand ich: sie erzählte von Commercial Aufträgen, die sie als Schriftstellerin nebenher macht. Als ich nachfrage, erzählt sie nicht von Werbeaufträgen - das hätte ich erwartet - sondern von einem Theaterstück, woran sie arbeitet. Vielleicht ist das auch San Francisco?!
(Ich kann kaum noch schreiben, so müde bin ich... aber das noch:)
Don Jacot malt magisch realistische Bilder. Ist 57.
Er ist mit seinen Eltern aus der französisch-sprachigen Schweiz im Alter von fünf in die Stadt gekommen. Er zeigt mir einen Kunstband über Photo-Realismus in Amerika. Auf dem Bild neben seinem Lebenslauf ist er 25, hat lange blonde Haare. Ein Hippie, endlich!! Er wohnt und malt hier in einer winzigen Wohnung auf der andern Seite des Flurs. Wie besessen scheint er seit Jahrzehnten an photorealistischen Bildern zu malen, die ich nicht verstehe. Die Bilder sind realistischer als die Fotografien, von denen er seine Stillleben mit Blechspielzeug abzeichnet.
Zur Zeit hat der Arzt ihm das Malen verboten. Sein Schultergelenk ist vom vielen Arbeiten im Atelier entzündet: Tag für Tag, 8 - 10 Stunden täglich, Monat für Monat, Jahr für Jahr.
Don fragt mich aus über Schweden, Norwegen, Motorradfahren, will alles wissen.
Mein Gefühl aus den Gesprächen mit ihm: er sehnt sich nach Leben, aber traut sich nicht. Seine brennende Sehnsucht nach Liebe, oder was weiß ich, glitzert und blitzt in den glatten Spielzeugen auf seinen bunten Leinwänden. Ich will ihn gern wiedersehen, weiß nicht warum.
So, jetzt leg ich mich hin. Gute Nacht!
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| Album: Dinner-Par |


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