Donnerstag, 14. Juni 2007

Die Schwulen-Metropole und der Stadtteil Castro


HOT SEX WITHOUT CRYSTAL? HELL YES!
Aufklärungsposter von tweak project, gesehen und fotografiert an der Metro-Station im Schwulenstadtteil Castro (www.tweaker.org). Was ist Crystal? Ein Aufputschmittel, das einen hellwach übers Wochenende bringt: ohne Schlaf, Hunger oder Durst. Und mit einer Hammer-Lust auf Sex.
Die Folge ist in zwei Drittel der Fälle AIDS. Weil Crystal-User unter Speed stehend vergessen, sich mit Kondom zu schützen.

Auf der Titelseite des San Francisco Chronicle vom Mittwoch lese ich: „Schwuler Käpt’n eines Unterseeboots der US-Marine führt 20 Jahre Doppelleben – und zieht nach seiner Pensionierung nach San Francisco“.

San Francisco ist Amerika’s Schwulen-Metropole, schrieb LIFE schon 1964.

Erster offen schwuler Politiker Kaliforniens
Die Homo-Bar „Black Cat Café” gibt es sage und schreibe seit 1930. Seitdem hat sich S.F. zum Zentrum der weltweiten Schwulen und Lesben-Bewegung gemausert. 1977 wurde Harvey Milk als erster offen schwuler Politiker in die Stadtverwaltung gewählt. Damit galt er als „Bürgermeister von Castro“. Ein Jahr später wurde Milk von einem Ex-Polizisten erschossen.
Ihm zu Ehren weht seit zehn Jahren über der Metro-Station von Castro die Regenbogen-Fahne.
Erfolge, aber auch Schattenseiten der Schwulen- und Lesbenszene in S.F. haben seit jeher weltweite Auswirkungen. Das gilt für AIDS, das gilt ganz aktuell für Crystal. Aufklärungskampagnen zum eigenen Schutz nehmen hier ihren Anfang. In den 80-er Jahren erkrankte über die Hälfte aller Schwulen in San Francisco an AIDS. Die Szene initiierte medizinische Forschung und gründete Stiftungen zur Aufklärung im weltweiten Kampf gegen AIDS.

Schwule Banker und Rechtsanwälte leben hier
Schwule leben inzwischen in der ganzen Stadt, nicht mehr nur hier in Castro. Mit politischen Erfolgen wächst das Selbstbewusstsein der Szene. Paare gehen Hand in Hand spazieren. Die Bars in Castro haben große Fenster. Jeder darf reinschauen, es gibt nichts zu verbergen. Ladenbesitzer, Banker und Rechtsanwälte, die Schwule vertreten, sind selbst schwul und leben hier. Ich bewundere den Mut derer, die sich das hier aufgebaut haben.

Wenn ich vormittags durch Castro nach Mission zum Schwimmbad laufe, werd ich regelmäßig angezwinkert oder angesprochen. Gestern wurde mir die erste Guided Tour durch San Francisco angeboten. John zieht mich dann auf: „Schreib Deinen Freunden in Deinem Blog: Frank has his first date in S.F.!“ Und schüttet sich aus vor Lachen! –

The dykes on bikes
Wir haben uns jetzt für die Gay Pride Parade am letzten Sonntag im Juni verabredet. John sagt, der Höhepunkt auf der Market Street in Downtown sei in jedem Jahr: the dykes on bikes. Die Lesben steuern ihre dicken Harleys über Market Street und haben ihre Schätzchen hinten drauf. – „Frank, take care! They fight like a man.“ Und lacht sich wieder kaputt…

Gestern haben wir uns zusammen eine TV-Sendung nach dem Muster „Fernsehgericht tagt“ angesehen. Die absolut härteste Richterin, die jeden Vorgeladenen zur Schnecke machte, ist seine Number-1-Queen. – „Die ist so hart, sie ist die Härteste! Ich muss manchmal rausgehen, weil ich’s nicht aushalten kann. Aber sie ist toll!“

Ihr seht, ich hab’s wirklich gut hier.

Album: Castro

2 Kommentare:

Doris hat gesagt…

hallo Frank,

ich bewunder immer deinen schreibfleiß, mit dem Du uns an Deinen erlebnissen teilnehmen läst

DORIS

ondamaris hat gesagt…

die crystla-plakate (oder analoges für ghb) könnten ruhig langsam mal nach deutschland herüber schwappen ...
http://ondamaris.blogspot.com/